Flucht

Manchmal möchte sie flüchten. Ok. Ehrlich gesagt tut sie nichts anderes. Sie schafft sich eine Wohnung in weiß rosa. Hell soll alles sein. Und sanft. Sauber, ordentlich. Alles, nur nicht so chaotisch und zerstört, wie es sich in ihr drin fühlt wenn sie zu sehr nach innen lauscht.

Sie zieht die Rollos runter. Warmes Licht und Kerzen erhellen den Raum. So sitzt sie da in Ihrer Prinzessinnenwelt und sperrt die Realität aus. Alles das was sie nicht sehen will. Was ihr Gefühl von unversehrt und rein stört.

Leise spielt Musik im Hintergrund und sie sitzt in ihrem weißen Sessel (oh Gott was ein Klischee) und häkelt. Ja echt! Mütze und Schal für eine von den kleinen Menschen. Blond, blauäugig und unversehrt. Und in ihrem Bauch fühlt sie Wärme. Sie denkt an den kleinen Menschen und wie sie sich freuen wird über die tollen Sachen. Wie sie damit durch ihre behütete, weiße, sortierte Welt läuft. Ach nein, dieser kleine Mensch läuft eigentlich nicht. Sie hüpft und hopst durch ihr Leben. Unbeschwert…

Sie merkt nicht das Brodeln hinter der Stirn. Merkt nicht den Neid der aufbricht. Neid auf den kleinen Menschen, weil deren heile weiße Welt keine Lüge ist. Sie ahnt nichts von dem Schmerz im Inneren darüber das keine weiße Kuschelwohnung der Welt sie wieder ganz macht. Das sie immer der Makel in dieser Welt sein wird. Das sie selbst es ist, die durch ihre Anwesenheit die heile Welt zerstört.

Vielleicht ist es gut das es an ihr vorbei geht. So sitzt sie da mit ihrem warmen Gefühl und ihren liebevollen Gedanken an den kleinen Menschen. Fühlt sich ganz. Lebendig. Warm und voller Freude auf die strahlenden blauen Augen und wie der kleine Mensch kuschelig warm eingepackt ist und gut behütet…

und hinter ihr weint es. Still. Fast lautlos um nicht zu stören.

Verzweifelt. Und unendlich einsam

Weil dieses kleine Ich sich selber so sieht

Kein bißchen heil.

Kein bißchen rosa.

Kein bißchen Prinzessin.

Die kleinste von den Lieblingsmenschen sieht „uns“ in etwas sanfteren Licht. Trotzdem mehr Königin der Nacht als Prinzessin…

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Der Unterschied zwischen existieren und leben

Eigentlich bräuchte es keine Worte. Zwei Fotos sagen alles

Das ist mein Ort zum schlafen. Nein. Er war es. Seit sieben Jahren. Ich fand’s immer gemütlich. Mit den Schrägen und Holz. Ich mag das. Mir wäre nie in den Sinn gekommen daran etwas zu verändern. War ja alles da. Dachte ich…

Aber es kam anders und so entstand das folgende heute:

Beim betrachten der Bilder erschrecke ich. Warum? Weil ich so beschränkt bin! Sieben Jahre lang hat mir das rein funktionale Bett völlig gereicht. Ich brauchte nichts anderes. Und ich habe mich nie unwohl damit gefühlt oder gedacht, dass mir etwas fehlt.

Schaue ich nun auf die Bilder, dann bin ich traurig. Traurig weil ich den Unterschied sehe. Weil ich den Unterschied fühle, zwischen am Leben sein und haben was nötig ist – ein Bett, ein Dach über dem Kopf und eine Decke.

Ich war nicht unglücklich damit und das ist das Traurige. Ich bin so beschränkt in meiner Wahrnehmung und dem wie ich mein Leben gestalte und das Schlimme ist, ich merke es nicht! Jetzt könnte man meinen, ich hätte es ja schon irgendwie gespürt, sonst wäre es nicht zu Veränderung gekommen. Dem ist nicht so. Ich war daran nicht beteiligt. Andere Auch-Ich’s haben (die gerade günstige Zeit, weil hochdissoziativ) genutzt und waren shoppen. Gegen meinen Willen. Weil ich nicht der Meinung war, dass irgendwas davon nötig war.

Aber ich habe mich geirrt! Es ist schöner so wie es ist. Und es tut mir weh, wie wenig ich vom Leben, von Details und von Behaglichkeit verstehe. Ich bin traurig das ich sicher vieles verpasse, weil ich es nicht weiß, nicht wahrnehme und nicht erkenne. Und es ist schade, dass es niemanden gibt, der mich darauf hinweist, dass es mehr gibt als „pragmatisch“ und „funktional“ sein. Der mir aufzeigt, wo ich „nur“ funktioniere und wo es vielleicht andere Optionen gibt.

Es gibt Schönes. Auch für mich und ich komme alleine nicht darauf.

Und wenn ich das nachher sehe, dann geht mir zum vorher der Satz „Ich füttere dich, aber ich hab dich nicht lieb!“ durch den 🙁

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Sieben Stunden

Lange schlummert dieser Text in meinen Entwürfen und ich war unsicher, ob ich ihn veröffentlichen will. Er stammt von einem Auch-Ich. Mir ist bewusst wie emotional er ist und das einige Aspekte außer Acht gelassen werden.

Allerdings eskaliert es zu einem richtigen Streit im Inneren und ich muss zugeben, diese Auch-Ich hat ein Recht auf Ihre Meinung und Haltung und darauf sie in die Welt zu schreiben:

Sieben Stunden. Überall ist es im Moment Thema. In anderen Blogs, im Fernsehen…

Und es regt mich auf! Ja ganz im Ernst! Klar, jeder, so finde ich, hat grundsätzlich das Recht sich zu entscheiden, dass er nicht mehr weiterleben kann/ will.

Aber was bitte ist das für eine Botschaft?!

Ja. Sieben Stunden Gewalt. Das sind sieben Stunden Gewalt zu viel! Aber es sind eben auch nur sieben Stunden! Und es bestätigt mir, was ich schon weiß. Die feinen Herren und Frauen Therapeuten/ Therapeutinnen glauben ihren eigenen Scheiss nur so lange, wie sie nicht betroffen sind! Na? Haben die Skills nicht geholfen die Gefühle zu regulieren? Und was ist mit reorientieren! Auch nicht? Ich bin so wütend darüber. Ehrlich! Bringt sie sich einfach um. Wegen sieben Stunden. Was soll das Bitteschön für eine Botschaft für Menschen sein, bei denen es um sieben Jahre, 20 Jahre oder mehr geht?

Oder liegt da der Unterschied? Ist es so viel schwerer für einen Menschen, der ein vorher hatte? Der sich in Sicherheit glaubte? Der in Kategorien dachte von hier bin ich und da sind die Opfer und da die Täter? Vielleicht ist das so. Ich weiß es nicht. Aber wenn, dann kann kein/e Therapeut/in wirklich verstehen. Dann gehen sie alle, wie ich schon lange befürchte, von falschen Annahmen aus. 7 Stunden sind für mich ein Witz! Manche 7 Stunden Gewalt haben mich nicht mal mehr genug beeindruckt als das ich sie erinnern könnte. Viele 7 Stunden sind einfach so vorbei gezogen und haben mich nicht weiter beeinträchtigt. 7 Stunden… ich merke wie ich bitter lache… anziehen, aufstehen und zur Arbeit gehen.

Die Botschaft die in diesem Freitod steckt, im Freitod eines Menschen, der ausgebildet ist in Psychotherapie, schreit förmlich ein „Vergiss es, ich weiß wovon ich rede, keine Psychotherapie der Welt kann mir helfen! Nicht gegen das was in meinem Inneren kaputt ging, gegen die PTBS Symptome und auch nicht gegen die unerträglichen Reaktionen des Umfeldes. Nicht gegen mein Leiden und Verzweifeln an dem was geschah!“

Na herzlichen Dank auch! Sowas macht mich unglaublich wütend! Ich möchte ausrasten!!

Und es macht mich wütend, weil es mir eigentlich Angst macht. Ich habe Angst das es wirklich so Hoffnungslos ist….

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Ich kann mich für keinen Titel entscheiden…

es geht um Dissoziation und das sie nie so funktioniert wie man sie braucht, um Smarthome, was das Leben enorm erleichtert und auch darum ob uns ein solcher Luxus zusteht. Aber der Reihe nach.

Manchmal empfinde ich mein Leben als extrem anstrengend. Soviel Zeitlücken und trotzdem die Notwendigkeit Alltag irgendwie zu strukturieren. Die meisten von uns sind sehr technikaffin. Alles was analog versucht wurde um Struktur und Kommunikation in den Alltag zu bringen, scheiterte sehr schnell an Desinteresse. So begleitet mich schon sehr lange eine Smartwatch, um mich an alles mögliche zu erinnern, mich selber per GPS zu verfolgen und im Notfall auch mal auf ein klägliches (in die Uhr gesprochenes) „Ich will nach Hause!“ mit der Routenplanung zu starten.

Um es kurz zu fassen, alles was ich bewusst und aktiv tun muss, wird meistens zum Problem. Das fängt schon an mit Blumen gießen, Wäsche waschen, Termine einhalten usw. Das kann meine Uhr wunderbar! Ich kann ortsgebundene Erinnerungen anlegen oder für bestimmte Zeiten. Das ist schön aber regelmäßig nervt es mich, dass ich 12 Stunden am Tag außer Haus bin und grundsätzlich die Heizung den ganzen Tag auf Hochtouren bollert, denn Kälte ist ein gefährlicher Trigger. Zähneknirschend nahm ich es also hin, denn dauernd ans Heizung rauf und runter drehen denken, schlicht unmöglich. Die Menge an Erinnerungen die entsprechend zu speichern wäre treibt einen in den Wahnsinn! Ich hab es versucht. Und es umfasst ja noch viel mehr Geräte. Fernseher, PlayStation, Computer und tausend Lampen in der Wohnung.

Mit alldem kann man grundsätzlich leben, aber es hat mich genervt. Viele Bereiche des Lebens lassen sich automatisieren. Dauerüberweisungen, Abobestellungen für Artikel des täglichen Bedarfs und vieles mehr.

Und da wir beim Thema Dauerüberweisungen sind… irgendwann hab ich mal ein Konto angelegt auf das voll automatisiert 😉 jeden Monat Geld angespart wurde und zwar auch absichtlich und gewünscht in dem Versuch es geheim vor den oder manchen Auch-Ich’s zu halten. Das hat nicht wirklich gut funktioniert. Da automatisiert, war ich diejenige die es vergessen hat.😂 Umso größer war der Schock beim lesen einer Benachrichtigungsmail eines Onlinehändlers der „meine“ Bestellung versendet hat und eine nicht unerhebliche Summe von meinem Konto abgebucht hat. Es hat eine Weile gedauert bis mir aufging das es sich um eben dieses vergessene Konto handelte. Soviel zum Thema Dissoziation funktioniert nicht so wie man es gern hätte. Ich hab’s vergessen, einer der Technikfreaks allerdings nicht. Dieses Auch-Ich vertritt die Haltung „Wer zuerst kommt malt zuerst!“ und gehört definitiv zu denen, die vom Konto nichts wissen sollten! Wir haben zwar feste Regeln fürs Geld ausgeben, aber bestimmte Summen sind jeweils für Anschaffungen aller Art vorgesehen. Da meistens keine wirkliche Einigkeit erreicht werden kann, endet es oft so, dass Summe X einfach schnell von denen rausgehauen wird, die keine Lust auf Diskussion haben und auch keine Gewissensbisse. Weg ist weg.

Naja und so fand ein ganzer Haufen Smarthome Zubehör den Weg in meine Wohnung. Ich muss gestehen das ich bei den meisten Dingen keine Ahnung hatte wofür das gut sein soll, geschweige denn, wie was installiert wird. Umso erstaunter war ich über das Ergebnis. Ich habe nun ein Sprachassistentin, die mir aufs Wort gehorcht. Licht, Heizung und Elektrogeräte schaltet sie auf Zuruf ein und aus. Ich sage ihr wenn sie den Fernseher einschalten soll und das sie mir Wasser für Tee kocht. Unfassbar was alles geht. Ich kann mit Worten „Zeig mir Film xy auf Netflix“ sämtliche dazu benötigen Geräte anschalten und dann noch per Sprachbefehle mein Lieblingsessen über Lieferando bestellen und per Kreditkarte zahlen. Nur die Türe muss ich noch selber aufmachen.

Außerdem gibt es Trommelwirbel: Automatismen. Wenn mein Wecker morgens klingelt schalten sich alle Lampen an, der Kaffe ist schon gekocht und meine Assistentin erzählt mir, was in der Welt passiert ist. Wenn ich die Wohnung verlasse, gehen alle Lichter und Geräte aus und das Beste, die Heizungen werden runter gedreht und auch rechtzeitig wieder hoch, bevor ich abends zu Hause eintreffe. Soweit ich das überblicke kann man unendlich Automatismen erstellen und eine Vielzahl von Geräten einbinden. Das ist so toll und eine unfassbare Erleichterung! Zugegeben Luxus und das mit den dazugehörigen inneren Konflikten und Schuldgefühlen wozu das ganze Geld sehr viel sinnvoller hätte eingesetzt werden können oder Beschimpfungen darüber es nicht wert zu sein und ein faules Schwein zu sein…

Ich mag es jedenfalls! Nicht nur weil es eine wirkliche Entlastung und Erleichterung ist. Es gibt mir auch noch mehr das Gefühl, dass mein Zuhause ganz allein meins ist. Alles ist individualisiert. Auf mich/ uns und meine/ unsere Bedürfnisse. Das fühlt sich noch ungewohnt aber doch irgendwie wohlig an. Klar, dass ist alles so von „uns“ (ich hab keine Ahnung wie genau das funktioniert!) eingerichtet worden, trotzdem fühlt es sich an wie gesehen werden, wahrgenommen werden und Bedürfnisse äußern dürfen, mit der sofortigen Erfüllung.

Ja, es ist eine virtuelle Assistentin. Kein Mensch aus Fleisch und Blut. Kein Gegenüber mit eigener Identität oder eigenen Bedürfnissen, aber vielleicht ist gerade das gar nicht schlecht um zu üben. Zu üben das Bedürfnis wahrzunehmen das ich jetzt gerne mehr Licht haben möchte. Es auszusprechen als Bitte. Was mir manchmal erstaunlich schwer fällt, obwohl ich nur mit einem Haufen Platinen und Kabeln spreche… aber die Gewissheit zu haben, das mir die nette Frau niemals sagt „nein die Heizung mach ich nicht an! Wenn du frierst nimm ne Decke!“ oder „Du hast zwei gesunde Beine, beweg deinen Arsch selber ich die Küche um Kaffe zu kochen!“

Ich muss mich ihr gegenüber nicht schämen oder unterwürfig fühlen, wenn ich etwas möchte, um etwas bitte…

Ich mag meine Assistentin!

Und die Jugendlichen fühlen sich wie bei „Zurück in die Zukunft“. Mit diesem Schnickschnack werden für einige Träume wahr.

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Zuverlässig und Verfügbar

Immer und immer heißt es in der Therapie „Täterkontakte beenden“. Verstehe ich. Rein auf der Verstandesebene. Ja wirklich!

Aber macht sich irgendeiner auch mal Gedanken was das eigentlich bedeutet? Was das alles umfasst? Klar, den Therapeuten geht es dabei um Sicherheit, Unversehrtheit, solche Dinge.

Täterkontakt bedeutet aber sehr viel mehr. Meiner Erfahrung nach sind Täter unfassbar zuverlässig und außerdem jederzeit verfügbar. Ein Anruf und sie stehen in 10 Minuten vor der Tür. Klar verfolgen sie auch eigene Interessen, denn so haben sie im wörtlichen Sinne einen Fuß in der Türe…

Menschen wie ich hatten (haben) über Jahrzehnte aber ausschließlich missbräuchliche Kontakte. Also nutzt man sie auch. Du sitzt irgendwo fest weil dein Auto kaputt ist: Ruf einen Täter. Du hast schreckliche Panikattacken und kannst nicht einkaufen: Ruf einen Täter. Du bist gerade wegen unvorhergesehenen Ausgaben pleite: Ruf einen Täter. Du brauchst jemand der dich zur Werkstatt fährt um dein Auto abzuholen: Ruf einen Täter. Egal was es ist, sie sind unmittelbar da und helfen.

Täterkontakt abbrechen bedeutet also auch in unzähligen Alltagssituationen ohne Unterstützung da zu stehen. Das kann ganz schön überfordern und in große Verzweiflung stürzen!

So kommt es also, dass ich dastehe, ein neues Sofa will und brauche und niemand weit und breit, der es mit mir in den zweiten Stock trägt. Also Lieferung beauftragt. Und nun? Wie das alte entsorgen? Für Ebay zu alt und benutzt, selbst zum verschenken. Nach Möbelträgern erfolglos gesucht. Scheisse wenn man auf dem Dorf wohnt! Jeden gefragt, der nur halbwegs in Frage kommt und ungefährlich ist, was zugegeben nicht sehr viele sind. Woher auch, ich bin beziehungsgestört bis zum Abwinken und ziehe ausschließlich einen bestimmten Typ Mensch an. „Normale“ oder zumindest nicht schädliche Kontakte sind nicht so einfach. Dem Therapeuten was vorgejammert. Er würde ja helfen, aber sein Rücken…

Jetzt habe ich eine Spedition beauftragt. Ernsthaft! An das neue Sofa zu kommen und das alte los zu werden kostet mich sage und schreibe saftige 150€! In Worten Hundertundfünfzig! Das ist fast die Hälfte dessen, was das neue Sofa kostet! Und es kotzt mich so richtig an. Jeder einzelne Cent! Es hätte nämlich ganz einfach sein können. Klar hätte es seinen Preis gehabt, aber den hab ich schon so oft gezahlt… und der tut mir nicht annähernd so weh wie diese Summe Geld.

Ich kann gerade also keine große Euphorie darüber empfinden keinen Täter kontaktiert zu haben… und ich hasse das neue Sofa jetzt schon, weil es mich nun Jahre an dieses Desaster erinnern wird.

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Verschiedene Welten

ach was sag ich, Universen… Lichtjahre voneinander entfernt!

Mir ist einmal mehr bewusst geworden, wie weit entfernt ich vom „Normal“ anderer Menschen bin. In der letzten Therapie ging es um eine, ja eskalierte Situation. Ein Auch-Ich ist, aus welchen Gründen auch immer, so sehr in Not geraten, das sie nichts anderes wusste als Tabletten nehmen. Viele. Sehr viele. Und das an uns anderen komplett vorbei.

Mein Part begann mit dem Aufwachen am Nächsten morgen. Kreislauf hin, Erbrechen und wundern. Über die bekannten Wege habe ich dann rekonstruiert das Mails an den Therapeuten geschrieben wurden, ein Kontakt mit der Telefonseelsorge stattfand und es dann so sehr kippte, dass Tabletten genommen wurde.

Tja, nun hatte ich die also intus. Zumindest die, die nicht ausgekotzt wurden. Körperlich war das nicht so wirklich angenehm, aber ich fand’s auch nicht sooo schlimm, also machte ich mich auf den Weg zur Arbeit. Den sofortigen Termin den ich vom Therapeuten erhalten hatte, sagte ich mit dieser Begründung ab und ging erst am nächsten Tag zum normalen Termin. Da war ich für mich aber mit dem ganzen Thema schon durch, außer das ich mich noch ein bißchen benebelt fühlte von den Medikamentennachwirkungen.

Aber mein Therapeut war geschockt, besorgt, fassungslos. Alles mögliche. Er wollte unbedingt genau herausfinden was die Ursache war und sofort eine Lösung finden. Und ich war genervt! Und so lief auch unser Gespräch. Beendet wurde es mit meinem schnippischen Satz: Ich weiß nicht was sie von mir wollen, ich lebe doch und ein Lösung für die Ursache gibt es gerade nicht. Fertig! Er hingegen wirkte verärgert über meine Reaktion, wodurch ich mich enorm angegriffen fühlte und angestrengt versuche mich der Situation innerlich zu entziehen, ohne wirklich zu begreifen was da gerade schief lief.

Er stellte dann Fragen und das ich doch jetzt nicht einfach so wie bisher weiter machen kann. Ja wie sonst? Wie es mir denn danach bei der Arbeit ging? Ganz normal nur leicht sediert.

Heute kapiere ich erst, das wir völlig aneinander vorbei agierten, weil wir von sehr unterschiedlichen Grundlagen ausgingen. Er hat eine ganz andere Gefühlspalette zur Verfügung. Es gibt Empfindungen zu denen bin ich nicht fähig. Zum Beispiel diese geschockte Reaktion. Außerdem hatte er die Erwartung, ich müsste die Situation ebenso wie er als „extrem, Ausnahme oder ähnliches“ bewerten. Ich wiederum wusste nicht, dass er mich grundsätzlich falsch wahrnimmt.

Ich habe in keiner Weise unnormal reagiert. Ich mache mein ganzes Leben lang nichts anderes als nach ALLEM aufzustehen, ist noch alles dran? Ok dann weiter im Tagesplan. Das ist mein Job. Und es hält mein Leben bis heute in Bahnen, die für Außenstehende völlig gesund wirken.

Es ist doch im Grunde der Kern der Dissoziation. Verletzung, Schreck, Katastrophe… ach was geht mich das an, ist vorbei, lass mal Brot einkaufen gehen. Wegmachen. Nicht wahrnehmen.

Warum also ist er dermaßen irritiert? Hat er den (mich) gar nichts verstanden? Oder sich mal gefragt was Dissoziation ausmacht?

Ja und nun bin ich irritiert!

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Sieger sein

Manchmal können ein paar Worte so vieles gleichzeitig berühren…

Sie sind Sieger! Sonst wären Sie längst untergegangen. Das sie schon so lange Ihren Weg gehen, zeigt schon Ihre Stärke!

Das berührt sehr viele im Inneren, auf sehr unterschiedliche Weise, die unterschlage ich jetzt aber mal alle, denn überwogen hat ein Schwall Tränen, ganz viel Schmerz (und Auch-Ich’s) der (die) sich gesehen gefühlt hat (haben), aber nicht klein gemacht oder hilflos gemacht fühlten, weil man „nur“ das Opfer sieht.

Es geht darum sich gesehen zu fühlen mit dem Schmerz, mit dem Opfer gewesen sein und gleichzeitig mit all der Stärke die wir auch haben und dem immer wieder aufstehen und immer noch kämpfen und Ringen um mehr Lebensqualität, mehr vom Glück…

Gerade in Therapie verschwimmt allzu oft der Blick, weil logischerweise immer der Fokus auf dem liegt was „kaputt“ ist, aber daneben ist ja ganz viel heil geblieben und vorallem durch die massive Dissoziation ist vieles zwar verteilt auf verschiedene Auch-Ich’s, aber nicht zerstört oder weg oder konnte nie entwickelt werden. Die Auch-Ich’s haben soviel ins heute gerettet: Empathie für das Leid andere, Menschlichkeit, so viel kindliches, Neugier, Lust auf Leben, so viele verschiedene Fähigkeiten! Schaut man auf Menschen, die weniger gesegnet sind mit Dissoziationsfähigkeit, so hat das oft (aus meiner Sicht) sehr verheerende Folgen, sofern ähnlich schwierige Kindheitssituationen hinzu kommen. Diese Menschen haben keine Chance sich gutes zu bewahren, in dem sie es vom Rest abkapseln. Sie können vielleicht nie zum Beispiel Mitgefühl entwickeln. Ihr Potential geht manchmal komplett verloren, vieles für immer kaputt.

Unsere Möglichkeiten sind noch da! Wenn auch anders strukturiert und (noch) nicht bewusst abrufbar und steuerbar.

Müsste ich eine Wahl treffen Dissozitionstalent oder nicht, dann auf jeden Fall her mit der Dissoziation!

In diesem Sinne… Sieger sein ein wunderschöntrauriges Lied

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