Verblüfft über Verblüffung

Wie im ganzen Rest von Deutschland hat auch uns die Hitze erwischt. Zum Glück mit Ankündigung.

Ich hasse Hitze. Ich lebe im Dachgeschoss. Von Mai bis Oktober im Dunkeln, sonst ist es schon bei „normalen“ Sommertemperaturen 40 Grad in der Wohnung. Das Haus ist alt. Isolierung, was ist das?

Ich liebe meine Wohnung. Sehr sogar. Nur Sommer ist die Hölle und bei den aktuellen Außentemperaturen ist es wirklich gesundheitsgefährdend in meiner Wohnung. Unter 30 Grad bekommt man die Zimmertemperatur auch nachts mit allen Fenstern offen nicht runter.

Ich lebe dort schon viele Jahre und hab mich so durch gequält. Eigentlich habe ich mir nie groß Gedanken gemacht. Es war heiß, muss ich durch. Pech. Wer sich an den letzten Sommer erinnert, es war wochenlang sehr, sehr warm. Ich ging auf dem Zahnfleisch und hätte am liebsten ununterbrochen geheult.

Hitze erinnert. Lässt mich ins damals zurück fallen. Macht einfach ganz viel im Inneren. Erst vor kurzem wurde mir das bewusst und auch das ich mich selber behandle, wie ich behandelt wurde. Mich zwingen uerträgliche, gefährliche Temperaturen einfach auszuhalten. Hitze macht das ich mich ausgeliefert fühle. Ich kann ihr nicht entkommen und nichts dagegen tun. Die Wohnung wird unerträglich warm und ich kann das nicht ändern. Jahrelang habe ich das als gegeben hingenommen und mich in mein Schicksal gefügt.

Als nun die große Hitzeankündigung kam, hab ich mir ein Hotelzimmer gebucht. Ja. Ich wohne eine Woche im klimatisierten Hotel. Fahre von dort zur Arbeit und dann wieder ins Hotel.

Ich fand das sehr selbstfürsorglich. Allerdings scheint das für andere völlig absurdes Verhalten zu sein und das kapiere ich nicht. Meine Kollegen haben mich angesehen als hätte ich gesagt „Ich schlafe auf dem Mars.“ Und dann so Fragen wie „Was machst du denn ganz alleine im Hotel?“ Ja was soll ich machen? Das gleiche wie alleine zu Hause! Ja aber im Hotel hast du doch nichts. Hä? Ich hab alles was ich brauche. Ein Bett. Eine Dusche. Eine Toilette. Und Temperaturen die angenehm sind. Vermutlich habe ich genauso belämmert zurück geschaut, wie meine Kollegen selbst.

Was soll mir denn fehlen im Hotel? Ich finde es merkwürdig, dass man mich merkwürdig deswegen findet.

So sehr ich mich anstrenge, ich verstehe nicht warum mein übernachten im Hotel so absurd zu sein scheint.

Außerdem hat es mir ein Stück weit mein gutes Gefühl kaputt gemacht. Ich war stolz auf mich so entschieden zu haben und so gut mit mir umzugehen und mir das zu gönnen. Zu gönnen, weil es keine Notwendigkeit für meinen Hotelaufenthalt gibt. Es ist nicht erforderlich wegen beruflichen Gründen oder warum auch immer und es ist auch nicht Urlaub machen. Das kostet Geld, soviel ist mal klar und das „einfach nur“ dafür auszugeben um es für mich angenehmer zu machen, dass ist eine ziemliche Leistung an Verboten, Dissoziationen und Wahrnehmungslöchern vorbei.

Menschen sind blöd ☹️

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Fluchtrucksäcke und survival training Hype

Irgendwie zufällig stolperte ich im Internet über Fluchtrucksäcke. Anschließend beschäftigte ich mich eine Weile sehr intensiv mit dem Thema. Ein Haufen sehr unterschiedlicher Erkenntnisse folgte. Aber von vorne:

Bei Fluchtrucksäcken wird grob unterschieden in „get-home bags“ und „never come home bags“ was im Ergebnis dazu führt, dass diese unterschiedliche (vermeintlich sinnvolle) Inhalte haben.

Es gibt hunderte Foren, Videos etc. die sich damit befassen, was jemand in den Rucksack packt und warum. Ziemlich schnell stellte sich bei mir Verwunderung, Belustigung und dann ein Überlegenheitsgefühl ein.

Warum? Es machte mich fassungslos, was die Menschen glauben zu brauchen. Pflaster? Labello? Ist das euer Ernst?! Es sollen Ueberlebensrucksäcke sein! Für zugegeben sehr vage Katastrophen-, Krisen was auch immer Fälle. Trotzdem, es fällt mir schwer mir ein solches Szenario vorzustellen, in dem ich das Bedürfnis habe mir Labello ins Gesicht zu schmieren oder ein Pflaster aufzukleben. Beides nutze ich schon im Alltag nicht. Raue Lippen sind möglicherweise unangenehm. Ein Schnitt im Finger auch. Aber mehr als lästig ist beides nicht. Und weil das so ist, gibt es in meinem Empfinden auch kein Handlungsbedarf.

An dieser Stelle fühlte ich mich sehr überlegen. Menschen mit diesen Luxusbedürfnissen stopfen viele Kilos unnützes Zeug in ihren Rucksack. Nichts davon ist erforderlich. Denn in Wahrheit braucht der Mensch lediglich etwas zu essen, zu trinken und etwas Schutz vor Kälte um zu überleben. Das ist alles!

Ich dachte amüsiert darüber nach, wie im Katastrophenfall all die Menschen mit ihrem 30kg Rucksack (gefüllt mit Labbelo, Pflastern und sündhaft teurer Outdoorkleidung) reihenweise bewusstlos (vor Erschöpfung) auf der Straße liegen. Fies. Ist mir bewusst.

Wir lachten also über die Menschen, deren schlimmsten Vorstellungen beinhalteten, dass sie einen Labello benutzen wollen.

Wir hingegen hatten soviel reales survival training, dass uns rissige Lippen wurscht sind. Wir brauchen kein Buch, das uns sagt welche Pflanzen giftig sind und wie man im Notfall überlebt. Wir wissen aus Erfahrung wie man bei Minusgraden schläft und am Morgen auch wieder aufwacht, ohne Erfrierungen zu erleiden. Unser Körper hat jahrzehntelange Übung darin sich von Regenwasser und unreifen Obst und Gemüse zu ernähren. Der Körper ist trainiert weit weit über Belastungsgrenzen zu gehen. Wir wissen, dass wir auch mit gebrochener Knieschneibe weiter durch den Wald laufen können. Pflaster, unser Lachen darüber wird bitter.

So kamen wir zur nächsten Erkenntnis. Ja. Was überleben angeht, mit dem nötigsten klar kommen, auf Grundbedürfnisse begrenzt sein und dennoch am Leben bleiben, wenn selbst die nicht gestillt sind, darin sind wir überlegen. Haushoch. Nur ist das nicht der Alltag. Die Welt befindet sich nicht im Ausnahmezustand. Nicht hier wo wir leben. Es geht in Deutschland nicht ums nackte überleben.

Und dann kam die große Traurigkeit. Der Schmerz und das Gefühl im Nachteil zu sein. Wir können oft so „Luxus“ nicht wahrnehmen. Wir leben immer, als ginge es nur darum nicht zu sterben. Wir können schlecht Bedürfnisse wahrnehmen, die darüber hinausgehen. Es gibt in uns keine Handlungsschablonen um es sich angenehm zu machen. Was meine ich damit? Wenn die Lippen rissig sind, dann nehmen wir es im besten Fall zur Kenntnis (meistens kommen solche Empfindungen schon gar nicht klar im Bewusstsein an. Höchstens ein diffuses Unwohlgefühl) und warten bis es von alleine heilt. Wenn uns scheisskalt ist, dann halten wir das aus, anstatt für Wärme zu sorgen (was im Heute durchaus möglich wäre).

Manchmal sind wir auch heute noch ganz schnell in einem Katastrophenszenario. Dafür braucht es keine äußeren Einflüsse. Ein paar schlechte Tage… und wir sind so gelähmt von Panikanfällen, dass wir die Wohnung nicht verlassen können. Einkaufen unmöglich. Klar, es kommt noch Wasser und Strom aus der Wand und auch das Internet wäre theoretisch noch nutzbar. Nur haben wir das dann nicht präsent. Es ist keine verfügbare Handlungsoption. Ja. Wir können uns Wochenlang von Haferflocken mit Wasser ernähren. Weil wir es müssen.

Ist das nicht unfassbar traurig?

Alles was wir tun hat noch immer hauptsachlich den Zweck, nicht zu sterben. Leben ist etwas anderes! Scheisse ist, wenn man das nur punktuell wahrnehmen kann. Also das man immer nur das überleben sichert. Ohne durch etwas oder irgendwen darauf hingewiesen zu werden, sind wir nicht in der Lage auch nur wahrzunehmen, dass es oft mehr Handlungsoptionen gibt. Das man was essen kann, um nicht zu verhungern und das es auch die Option gibt, dass das auch noch lecker dabei sein darf. Wir wissen ja zum Beispiel darum, dass wir immer wieder in die Situation geraten, nicht einkaufen zu können. Wir könnten also Lebensmittel im Vorrat haben, die gut schmecken, die ein Wohlgefühl machen. Tun wir aber nicht. Wir lagern Haferflocken. Weil sie genug sind um zu überleben. Nicht das wir es nicht versucht haben. Im Schrank stehen auch andere Lebensmittel. Im Ueberlebensmodus scheinen sie aber nicht wahrgenommen zu werden.

Es gibt einen Unterschied sich am Leben zu halten oder leben. Am Leben halten können wir. Darüber hinaus das lebendig sein wahrnehmen. Wohl fühlen. Angenehmes erleben. Darin sind wir sehr , sehr begrenzt. Nicht weil wir nicht wollen. Die Sehnsucht danach ist oft sehr schmerzhaft fühlbar. Das Problem an Dissoziation, so hilfreich sie war und oft ist, sie macht so viele Löcher in deiner Wahrnehmung, dass du irgendwann gar nicht mehr wahrnehmen kannst, wie viel sie Dir nimmt. So viel Erleben wird Dir geklaut und du weißt es die meiste Zeit nicht.

Ziemlich getroffen hat mich auch ein Video von einem jungen Erwachsenen. Er hat den Inhalt seines Fluchtrucksackes vorgestellt. Unter anderem hat er sich Kaugummis eingepackt. Wörtliches Zitat „Gegen Mundgeruch.“ Meine erste Reaktion war lautes Lachen! Ernsthaft? Eine nationale Katastrophe, dafür hast du deinen Rucksack und du machst dir Gedanken über Mundgeruch? Präziser. Du stellst Dir dich selber in einem Szenario vor, in dem es um leben und Tod geht und deine Gedanken gehen dahin, dass du keinen Mundgeruch haben willst? Ein bisschen später war es blanker Neid! Ich weiß das Mundgeruch dein geringstes Problem in einer solchen Situation ist! Wenn du verletzt bist, benutzt, du blutest, bist voller körperflüssigkeiten, deinen eigenen oder fremden… an Mundgeruch denkst du sicher nicht! Aber ich beneide dich! Ich beneide dich, weil du Dir im jetzt solche Vorstellungen davon machst und ich beneide dich, weil das bedeutet du kennst die Realität des am Leben bleiben wollen nicht und höchstwahrscheinlich wirst du diese Erfahrung niemals machen müssen.

Ich fühle mich betrogen und beraubt. Ja. Ich lebe noch. Aber ich will auch erleben. Das Leben fühlen. Die Wahl haben.

Ich wünschte auch meine Vorstellungskraft für Katastrophen würde den Wunsch nach Benutzung eines Labellos beinhalten! Ich stelle mir das schön vor.

Und es tut weh, dass es für mich nie so war und niemals so sein kann!

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Ich bin pro Leben eingestellt

Ein wörtliches Zitat, dass selbst mich verärgert und meinen Blutdruck steigen lässt!

Selbst mich, weil ich über die emotionale Möglichkeit mich suizidal zu fühlen gar nicht verfüge. Ich kann wahrnehmen, wenn es sich in mir so fühlt, aber es betrifft mich nicht. Ich mache einfach weiter. Neben der Wahrnehmung dieses Gefühlszustandes kann ich einfach zur Arbeit gehen, mit den Kollegen scherzen und mir sagen lassen, dass ich ein Mensch sei, der scheinbar niemals schlecht gelaunt ist.

Meine Freundin formulierte es mal anders: Du bist ein Mensch, mit dem sitzt man am Tisch. Plaudert, lacht, man fühlt sich verbunden und wohl. Dann stehst du auf und springst aus dem Fenster und man bleibt völlig fassungslos zurück, weil man das im Ansatz nicht hat kommen sehen und nicht versteht!

Aber zurück zum Thema. Er ist also pro Leben eingestellt. Was soll das eigentlich heißen? Weiter leben, am Leben halten, um jeden Preis? Was genau? Ich finde das eine sehr Inhaltslose Floskel, die alles bedeuten kann oder aber auch nur daher geplappert ist.

Wie kann man das einem suizidalem Gegenüber vor den Latz knallen? Es geht wohl kaum nichtssagender oder unpersönlicher. Ich bin pro Leben. Wessen Leben? Meins? Dein eigenes? Pro gutes Leben? Oder auch pro gewaltsvolles und verzweifeltes Leben?

Wie wäre es mit: ich möchte nicht das Du stirbst!

Klingt ganz anders oder? Hat was mit mir zu tun. Fühlt sich persönlich und nach es geht um mich an. Schafft einen Zugang zu Gefühlen, auch sich selbst gegenüber.

Ich bin pro Leben. Herzlichen Glückwunsch und schön für Sie! Wäre ich an Ihrer Stelle, mit Familie, gut bezahltem Job und einem normalneurotischem Gefühlsspektrum, der Fähigkeit gute Kontakte zu pflegen und Kontrolle über mein Leben versus verstrickt in Gewaltbeziehungen, schwer Bindungsgestört, Angstgestört und so hochdissdoziativ das oft das Gefühl überwiegt wenig Kontroll- und Einflussmöglichkeiten im Bezug auf das eigene Leben oder Emotionen zu haben, dann könnte ich die Pro Leben Einstellung sicher teilen.

So ist es aber nicht! Und wenn ich dann diesen Satz ins Gesicht geschlagen bekomme dann fühle ich mich im besten Fall nicht gesehen in meinem Leid, meinen Anstrengungen und meiner (gewaltbelasteten) Lebensrealität. Im schlimmsten Fall fühle ich mich für genau das verhöhnt!!

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Mal so am Rande..

Träumte ich letzte Nacht mal wieder von einer Zombieapokalypse und war auf der Flucht. Ähnliches träume ich oft, aber dann kam die Wende 😂 denn die Paulines tauchten im Traum auf und begleiteten uns auf der Flucht. Wo auch immer unser Gehirn die Verknüpfung her hat…

Zunächst versteckten wir uns vor den Zombies in einem Tierheim, aber als auch die Tiere Zombies wurden, flüchteten wir per Auto mit einer Schulfreundin von mir weiter.

Zwischendurch trafen wir noch auf eine junge, sehr verstörte Frau, bei der ich dachte Scheisse ist die Dissoziativ und Flashbackgeplagt und das ausgerechnet beim Weltuntergang. Spannend war dann, dass die Paulines sich ihrer Annahmen und sie beruhigten und sie sogar dazu brachten ein bißchen zu schlafen. Die junge Frau war quer durch Deutschland gelaufen, weil sie zu ihrer Mama wollte.

Ich finde es erstaunlich was mein Gehirn sich da zurecht gelegt hat. Zumal ich die Paulines auch nie persönlich kennengelernt habe… vielleicht die Kombination aus Muttertag, meiner Vorliebe für Zombies. Keine Ahnung. Ich bin auf jeden Fall lachend heute morgen aufgewacht.

Aber sicher ist, wenn der Weltuntergang kommt, dann muss ich zu den Paulines, denn mich haben sie auch total beruhigt 😂😂

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Manchmal isses auch nur nen Schnupfen

Letzen Dienstag wachte ich morgens auf und fühlte mich seltsam. Irgendwie dumpf und matschig und ich bekam kaum die Augen auf vor Erschöpfung.

Ich wischte das Gefühl beiseite und startete meinen Tagesablauf. Kurze Zweifel ob die Fahrt zur Arbeit nun wirklich sinnvoll ist. Aber die Antreiber siegten.

Im Auto sitzend steigerte sich das komisch Gefühl. Ich hatte Druck auf den Ohren. Plötzlich wurde mir noch übel und mein Mund war staubtrocken. Der Hals tat auch weh. Ich diagnostizierte mir eine Panikattacke, auch wenn mich wunderte, dass kein greifbares Gefühl von Angst dabei war und ging ins Büro.

Die erste Stunde brachte ich damit zu mir meinen Wahnsinn nicht anmerken zu lassen und normal auszusehen. Das war gar nicht so leicht, denn inzwischen tat mir auch das Atmen weh und so langsam wurde auch Angst spürbar.

Fieberhaft forschte ich im Inneren nach den Ursachen. Gab es einen Trigger? Irgendwelche nächtlichen Aktivitäten, die meine körperliche Erschöpfung und das Elendsgefühl erklären würden. Gab es einen Grund Panik zu haben? Hatte ich irgendwas wichtiges verpasst und war gerade dabei zu dekompensieren?

All die Körpersymptome kamen und gingen und wechselten sich ab an diesem Tag (rückblickend waren sie vermutlich alle gleichzeitig da, aber meine Wahrnehmung ist gestückelt). Ich kämpfte mich durch den Tag und schleppte mich am Abend nach Hause. Die Verzweiflung über meinen Zustand war schon sehr nah, weil ich einfach keine Ursache ausmachen konnte und ich es hasse, mir selbst und dem ganzen Scheiss so machtlos ausgeliefert zu sein. Die aktualisierte Diagnose lautete also akute Beklopptheit und damit ging ich ins Bett.

Die Erkenntnis brachte der nächste Morgen. Heftiger Husten, Fieber, Nase zu…

Manchmal ist es eben auch nur ein Schnupfen!

Und wieder einmal werden mir meine Schwierigkeiten bewusst. Es ist schwer Dinge, Symptome zu deuten, wenn immer etwas an Kontext fehlt. Rückblickend hätte ich von Anfang an auf Erkältung kommen können, aber mein Scheiss Gehirn ist unfähig diese Verknüpfungen herzustellen und ich zu verdisst, um überhaupt zu merken, was mir entgeht oder das mir überhaupt was entgeht!

Das ist eins der Dinge, die mich unter all den Traumafolgen so nervt und so machtlos zurück lässt. Ich kann nicht sehen, was ich nicht sehen kann! Egal wie sehr ich mich auch zusammenreiße oder anstrenge…

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Ein schmaler Grad

Ich habe ein Zeitproblem. Immer. Und es stresst mich. Zeit raubt die Arbeit und der lange Anfahrtsweg. Täglich. Es bleibt wenig Zeit für mich und noch weniger für die Auch-Ich’s.

Ich schrieb schonmal darüber.

Ich habe einen straffen Zeitplan. Montags arbeite ich lang und bin vor 6 Uhr nicht zuhause. Morgens klingelt mein Wecker täglich um kurz nach vier. Bin ich zuhause, springe ich in die Badewanne, dann kurz aufs Sofa und anschließend ins Bett. Vorher noch schnell irgendwas essen. Zubereiten eher nicht mehr, also Rohkost oder Brot.

Dienstags hechte ich direkt vom Büro aus zur Therapie. Hinterher schnell was einkaufen. Bis ich zuhause bin, ist es halb sieben. Wieder Badewanne, schnell was essen. Ab ins Bett, bald klingelt der Wecker.

Mittwoch nach der Arbeit muss ich tanken. Während der Feierabendverkehrs eine wahre Freude. Einmal vom Ortseingang bis zum anderen Ende, gerne mal 30 Minuten für geschätzt 1,5 km. 5 Ampeln und jede Menge Zeitverlust. Wieder erst nach sechs zuhause. Lange Haare sind die Hölle bei weißen Fußböden, daher ist ein schneller Rundflug mit dem Staubsauger durch die Wohnung nötig. Schnell mal was kochen, zumindest einmal in der Woche etwas richtiges Essen… Zeitverbrauch mindesten 45 Minuten. Dann ist es wieder Zeit fürs Bett.

Donnerstag wird es wieder Zeit für einen Einkauf nach der Arbeit und es ist der Tag, an dem Behörden etc. Länger geöffnet sind um verschiedene Dinge zu erledigen. Außerdem ist es der eingeplante Tag für Bank, Paketstation oder andere Erledingungen.

Freitag. Endlich! Da arbeite ich nur 6 Stunden. Nach der Arbeit auf jeden Fall wieder einmal Auto tanken und Sobald ich zuhause bin kommt eine Freundin und wir gestalten den Tag. Stadtbummel, Essen gehen. Was auch immer. Bis spät in den Abend.

Samstags morgens schmeiße ich genau 2 Maschinen Wäsche an. Hänge den Scheiss auf. Starte den Geschirrspüler und sauge und putze die ganze Wohnung. Müll rausbringen und was alles dazu gehört. Mittags startet die Zeit mit meinen kleinen Lieblingsmenschen und danach renne ich am Abend noch schnell zum Supermarkt um meine Pfandflaschen los zu werden und meinen 12 Flaschen Wasservorrat für die Woche zu shoppen. Abends falle ich totmüde ins Bett…

Und jetzt kommt der beste, schönste und freieste Tag der Woche! Sonntags tue ich nichts! Gar nichts! Ich bleibe im Schlafanzug, ungewaschen und ohne Zähne putzen! Ich bewege mich nur das nötigste und mache oder wir machen, was immer gerade Spaß macht. Ein Buch lesen. Stundenlang an der PlayStation sitzen. Uns von Schokolade, Chips und Waldmeisterbrause ernähren…

Der Sonntag ist notwendig um den Rest der Woche alle in Schach zu halten. Kommt es durch Geburtstagskaffee oder sonstigen Termine zu einem nicht freiem Sonntag, dann schlagen die Zeitdiebe (Auch-Ich’s) zu und erzwingen sich ihren Raum. Vorzugsweise nachts, da für die Arbeitszeit ein absolutes Verbot herrscht für die Nicht-Alltagsleute. Chaos herrscht dann trotzdem außerhalb der Arbeitszeit. Geklaut wird dann nämlich auch die Einkaufs- und Tankzeit. Dann komme ich in die Not morgens um halb sechs auf halben Weg und außerdem hungrig eine offene Tankstelle finden zu müssen. Kein Spaß wenn man so neurotisch ist wie ich und außerdem sofort die Orientierung und mit Pech auch die bewusste Steuerung verliert, sobald man vom „normalen“ Weg abweicht. Außerdem bringt es den Rest der Struktur durcheinander. Mein Kühlschrank ist mit Tagesrationen gefüllt. Wurde die Einkaufszeit geklaut, greife ich morgens ins leere. Dann muss ich zum einen Zeit finden etwas zu essen zu besorgen und ich verliere den Überblick, ob ich gegessen habe. Da orientiere ich mich normalerweise an meinen gepackten Tagespaketen.

Das ist der normale Wahnsinn. Und wer sich jetzt fragt, wo in diesem Zeitplan die Bedürfnisse einzelner Platz finden. Tatsächlich nur sonntags. Alle anderen Tage sind so funktional, wie sie da stehen und es findet kein „das möchte ich gerne machen“ oder Kontakt zu Menschen außerhalb der Arbeit statt. Lediglich das Wochenende hat Raum für Lebendigkeit und Spaß. Einzig die kleinen bekommen jeden Abend eine Geschichte vorgelesen und zum einschlafen ein Hörspiel angeschaltet. Um ehrlich zu sein hauptsächlich um sie ruhig zu stellen. Notfalls werden sie innerlich eingesperrt. Ein (leider noch nicht geschafft abzustellen/ zu verändern) Überbleibsel aus gelernten und gewünschten Verhalten. Der gewollten und erzwungenen perfekten Alltagsfunktionalität…

Wie gestresst ich bin, merke ich immer dann, wenn ich anfange jede Tätigkeit, jeden Moment, jede rote Ampel in Minuten zu messen. Wenn ich versuche auf einem Weg möglichst zehn Dinge zu tun. In meinem Kopf den perfekten, effizientesten Weg durch den Supermarkt zu berechnen, um so wenig Minuten wie nur möglich zu verlieren.

Das ist Stress! Stress mit real zu wenig freier/ wacher Zeit. Jonglieren mit Bedürfnissen und Erfordernissen und die ständige Angst es schießt mich ins Off ,bevor ich alle Notwendigkeiten erledigt habe.

Das kostet Kraft. Nicht nur das mir Minuten fehlen, ich muss auch meine Kraft einteilen. Täglich das Abwägen schaffe ich alle To-Do Punkte? Oft bin ich zu erschöpft. (Viel Raum für Verschiebungen gibt es aber nicht.) 10 Minuten für das, 13 Minuten das… ich verteile die Notwendigkeit auf die verfügbaren Tage. Trotzdem ist es mir zu viel Müssen und zu wenig auf unsere Bedürfnisse achten. Und hinzu kommen ja noch all die ungeplanten Termine und was es nebenbei noch zu erledigen gibt. Reifenwechsel, Arzttermine, Apotheke, Geburtstage von Familie und Freunden usw.

In meiner Not entschied ich mein Leben zu optimieren. Das ist ein schmaler Grad, denn ich wurde konditioniert zum perfekten Funktionieren. Effizienz und hohe Alltagsfunktionalität. Weiter machen um jeden Preis. Lächeln und winken…

Will ich das wirklich noch weiter ausbauen? Definitiv nein! Aber ich will mehr Zeit haben für Bedürfnisbefriedigung und für Dinge die ich tun will. Weg kommen von ständig nur Verpflichtungen und Dingen, die man eben tun muss. Wir werden nie ein Mensch werden, der völlig ablassen kann von dem Zwang zur Funktionalität. Das ist zu schmerzhaft erlernt und es ist immer ein Ringen um jedes Fitzelchen mehr Freiheit. Um jede Minute „Müßiggang“.

Mir ist bewusst das es ein Stück weit Luxusprobleme sind. Unsere Entscheidung im Inneren ist zu 100% das wir eigenständig und unabhängig leben wollen. Nicht ständig in Angst vor Armut im heute und im Alter. Das ist eine Entscheidung für die Vollzeit- Berufstätigkeit und damit sind wir ok. Das frisst aber Zeit und Kraftressourcen. Auf der anderen Seite schenkt es uns finanzielle Möglichkeiten. Die wollen wir endlich für uns selbst nutzen (dürfen). Es ist ein Kampf durch Verbote und Prägungen. „Ich darf es mir nicht leicht machen!“ „Ich darf kein Geld verschwenden.“ „Ich darf mir nichts erlauben, sonst bricht meine unstillbare Gier durch.“ Und noch vieles mehr solcher Nettigkeiten.

Und ich tue es trotzdem! Einkaufen war gestern. Ich lasse mir Wochenboxen liefern. Enthalten sind Rezepte und frische Lebensmittel exakt in der Menge, die ich benötige. 3 x in der Woche benötige ich jeweils 30 Minuten Kochzeit für 2 Tage. Keinen perfekten Weg durch den Supermarkt finden, keine Wartezeit an der Kasse. Viele wertvolle Minuten gespart!

Ein weiterer Zeitfresser (und Nervenfresser) Wasser kaufen, Pfandflaschen zurück bringen. Bei zwei Flaschen Wasser am Tag ständiges Gerenne und ewig genervt von zahllosen leeren Plastikflaschen. Jetzt gibt es einen Wassersprudler in meinem Haushalt. Exakt 1 wiederverwendbare Getränkepflasche und ebenfalls gewonnene Zeit.

Nächster Punkt auf der „was hasse ich und kostet mich Zeit Liste“ war staubsaugen und putzen. Ich habe nach langem Inneren Ringen einen Saug- und Putzroboter und er war jeden verdammten Cent wert!! Zwei Mal in der Woche fährt er nun seine Runde während ich im Büro sitze. Ich liebe es nach Hause zu kommen und alles ist blitzeblank. Allein diese gewonnene Lebensqualität ist es mir wert.

Mir ist bewusst das ich mir noch mehr Effizienz eingebaut habe, aber wir nutzen tatsächlich die gewonnenen Minuten für mehr „leben“, für Dinge die mehr sind als funktionieren. Und sei es nur, dass die kleinen mal ein Bild malen oder wir Zeit haben uns von inhaltslosen Serien einlullen zu lassen.

Aber wir haben auch Zeit fürs kochen. Dafür uns selbst den Wert zu geben, gesundes und frisches Essen zu bekommen. Das verändert etwas im Gefühl. Neben all dem was muss auch mal zu fühlen, ich kümmere mich gut um uns. Zumindest in diesem Punkt.

Es ist sicher nur ein Anfang. Es wird noch viel Zeit, Arbeit, Kampf und innere Erlaubnis brauchen, damit wir uns mehr und mehr von den doch auch sehr einschränkenden Zwängen und Fesseln des Effizient-sein-müssen’s befreien können und dürfen.

Aber wir sind auf dem Weg

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Die Perspektive wechseln

Oft denke ich, wie destruktiv Therapie auch ist. Immerzu schaut man in Abgründe. Mit riesigen Scheinwerfern beleuchtet man die dunklen Ecken. All das Nicht-Können steht so sehr im Scheinwerferlicht. All das was schmerzt, was Angst macht. Viel zu oft verlieren wir das, was schon erreicht wurde aus den Augen. All die großen und vorallem die kleinen Erfolge.

Ich/ wir sind nicht mehr die, die wir einst waren. Viele der Schreckgespenster haben längst an Bedeutung verloren! Viele kleine Veränderungen sind so langsam und unbemerkt passiert, dass sie im alltäglichen Wahrnehmen untergegangen sind. Weil Veränderungen oft so elendig langsam passieren. Nicht schlagartig, auch wenn man das so oft und so sehr gewünscht hat. Sie passieren nicht mit einem Knall. Was schade ist, denn dann bekämen sie das Scheinwerferlicht und den Trommelwirbel den sie verdienen!

Aber die Realität ist eine andere. Man ackert und arbeitet unermüdlich. Kämpft oft Jahre gefühlt gegen Windmühlen und nichts passiert. Aber das stimmt nicht! All die kleinen Schritte bringen Veränderungen. Immer! Aber erst im aufmerksamen Rückblick sieht man, wie groß sie eigentlich waren!

Ich wünsche mir, dem Geschafften mehr Raum und mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Öfter innezuhalten und zu sehen und bewusst zu spüren wieviel besser und lebendiger alles geworden ist.

Ich bin oft so in meinem Alltagstrott das ich vergesse, wofür wir das alles machen. Dieses Mal war es ein junges Auch- Ich, dass ganz ehrfürchtig auf dem Sofa saß und ungläubig fragte: Das gehört hier alles uns allein? Das haben wir alles selbst ausgesucht und bezahlt?

Mich hat das sehr berührt, denn sie hat Recht, ich selbst habe nie geglaubt, nichtmal davon zu träumen gewagt, dass wir einmal so weit kommen. Das wir in relativer Sicherheit sind. Für uns selbst sorgen können. Das wir ein Zuhause haben, in dem es schön und behaglich ist. Das wir so viele Dinge in Freiheit tun können. Ganz allein! Selbstbestimmt und unabhängig.

Ganz früher hatte ich keine Zukunft. Ich war gefangen im Heute. Es war immer jetzt. Ganz ohne ein gestern oder morgen. Das war nicht schlimm. Es gab keine Vergangenheit die weh tat oder eine Angst, was in der Zukunft aus mir werden wird. Alles was ich tun musste, war das jetzt überleben und aushalten. Ein paar Minuten später würde dieses Jetzt schon vorbei, Vergangenheit sein, die nichts mit mir zu tun hat! Das war kein unangenehmes Leben für mich.

Mit der ersten Therapie änderte sich alles. Ich wurde in ein Jetzt gezerrt in dem es ein gestern und ein Morgen gab. Damit einen Umgang zu finden hat mich Jahre gekostet. Das damals wollte und konnte ich zu der Zeit einfach nicht anschauen. Zu sehr war ich mit der Panik beschäftigt. Der grenzenlosen Angst davor, dass es eine Zukunft gibt. Auch für mich! Ich sah mich an und sah nur Zerstörung. Und ich hatte das erste Mal Angst um mich. Angst, was denn nur aus mir werden soll. Ich sah mich als Dauerpsychiatriepatient. Entmündigt. Lebensuntauglich. Irrationale Ängste waren das ganz sicher nicht. Ich war damals unglaublich verstört, verzweifelt, am Ende meiner Kräfte. Ich hatte Angstzustände rund um die Uhr. Angst es nicht zu schaffen. Angst unterzugehen. Angst vor dem Leben! Angst vor Menschen.

Nach all den Jahren fühle ich heute in mir eine gewisse Stabilität. Ich bin nicht „geheilt“ und freue mich immerzu meines Lebens. Manchmal ist es immer noch scheisse und fühlt sich unaushaltbar, verzweifelt, traurig.

Aber mein Grundgefühl ist ein anderes. Ich vertraue mehr auf uns. Ich fühle mich sicherer und getragener von dem Leben, dass wir uns aufgebaut haben. Ja manches ist so gestaltet, dass wir nicht an unsere Begrenzungen stoßen. Ich bin ok damit!

Heute fühle ich mich angekommener. Viele(s) in uns ist mehr zur Ruhe gekommen. Es gibt weniger innere Panik, Orientierungungslosigkeit und sich verloren fühle. Für viele von uns ist heute tatsächlich fühlbar, dass wir stark sind und das wir uns selber helfen und schützen können und das uns unsere grenzenlose Sturheit dabei hilft immer weiter zu gehen und das zu tun, was wir uns in den Kopf gesetzt haben.

Dieses Jahr werden wir 40 Jahre alt. Ständig wird das von irgendwem angesprochen. Und meist hört man andere Menschen dabei nostalgisch sagen „Ach, noch mal 20 sein..“

Im Außen lache ich, ich will nicht unfreundlich sein. Im Inneren weiß ich Für kein Geld der Welt will ich nochmal 20 sein! Schon gar nicht nochmal Kind!

Ich bin angekommen und ich gehe nie mehr zurück!!

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