Und immer wieder Corona

Vorab: Es geht in meinem Beitrag in keinster Weise darum eine Einordnung von richtig oder falsch (sofern es das hier überhaupt gibt) in Bezug auf Maßnahmen oder Haltungen bezüglich dem Coronavirus vorzunehmen. Es geht ausnahmslos um meine ( hier auch Einzel-Ich und nicht Gesamt-Ich) persönlichen Gefühle und Grenzen.

Es geht wieder los. Die Zahlen der positiv Getesteten steigen. Die Mahnungen aus der Politik werden immer eindringlicher. Die Beschränkungen schärfer. Die Diskussionen hitziger, um nicht zu sagen aggressiv. Auf allen Seiten.

Es ist kein Geheimnis, ich befürworte die getroffenen Maßnahmen und hätte sie mir schon eher und vielleicht auch strikter gewünscht.

Es ist nachvollziehbar, dass alle Seiten immer lauter und zorniger werden, glaubt doch jeder an die Haltung die er vertritt. Ich verzweifle an den hartnäckigen Verharmlosern und die wiederum verzweifeln an Menschen wie mir. Den Mahnenden und Vorsichtigen.

Niemand kann dem gerade entkommen. Jeder hat eine Haltung und jeder ist mit der gegenteiligen Meinung konfrontiert. Ich diskutiere nicht und ich gebe mir allergrößte Mühe, jede andere Haltung zu tolerieren, auch entgegen meinem starken inneren Impuls, weglaufen zu wollen. Da wir am Ende nicht nur alle im gleichen Boot sitzen, sondern ganz gegenwärtig auch im gleichen Büro. Aber es macht müde und hilflos. Es gibt keine wirklich für alle gute Lösung und so langsam geht mir die Kraft aus. Denn was ebenfalls nicht funktioniert, ist, dass die Einen einfach ihr Leben leben und keine Regeln beachten müssen und die anderen sich selbst schützen.

Dafür gibt es zu viel Schnittstellen im Alltag. Wir können nicht vormittags alle die gegen sämtliche Maßnahmen sind ihr Leben leben lassen, arbeiten, einkaufen, Alltag gestalten und nachmittags diejenigen, die vorsichtig sein wollen. Auch wenn das ne schöne Lösung wäre.

Ebensowenig machen die Parolen Sinn, wer Angst vor Corona hat, der soll halt zu Hause bleiben. Sind wir doch ehrlich, auch dann kommt unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft zum Erliegen und zwar unkontrolliert! Ich würde dazu mal eine (gewagte)These aufstellen: Die eher zur Vorsicht neigenden und kontaktbegrenzende Maßnahmen Befürwortenden, haben vermutlich einen entsprechend geprägten Charakter. So geprägte Menschen haben eher ein höheres Sicherheitsbedürfnis und sich sehr wahrscheinlichen einen (vermeintlich) sicheren Job ausgesucht. Was fällt einem da ein? Ja genau, Beamtenlaufbahn und öffentlicher Dienst. Wir wissen alle welche Berufe das sind. Wollen wir wirklich das diese Personen dann halt einfach zuhause bleiben? Wird nicht funktionieren. Was also tun?

Ich kann an der Stelle nur für mich sprechen und klar sagen, ich komme an meine Grenzen. Ich möchte keinesfalls an COVID erkranken, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Ich gehöre keiner (bekannten) Risikogruppe an und mir ist durchaus klar, wie enorm gering mein persönliches Risiko ist, akut schwer zu erkranken. Langzeitfolgen mal unbeachtet, denn wer weiß das schon. Trotzdem ist das Coronavirus mein persönlicher Supergau. Mein Dachschaden ist da, war schon vorher da. Ich habe ausgeprägte Ängste. Zentrales Thema aller meiner Panikattacken ist das Gefühl keine Luft zu bekommen und Angst vorm ersticken. Jeder gewöhnliche Wald- und Wiesenschnupfen beschert mir durch die eingeschränkte Atmung eine Woche konstante Todesangst und die Notwendigkeit Beruhigungsmittel großzügig anzuwenden.

Ich habe genug Vorstellungsvermögen um eine Ahnung zu bekommen, was ein positiver Coronatest bei mir auslösen würde. Ich bin mir nicht sicher das ich diese Mordsparty meiner Panik allein in meiner Wohnung (weil Quarantäne) überhaupt geregelt bekäme oder nicht eine komplette Sedierung in einem klinischen Setting eher notwendig wäre. Und mal ganz abgesehen von der eigenen Panikerkrankung, parallel hätte ich zunächst zusätzlich die Angst zu bändigen, die eigenen Liebsten, mit womöglich deutlichem Risikoprofil, gegebenenfalls angesteckt zu haben, trotz aller Vorsicht und Abstand. Von Schuldgefühlen (wie berechtigt auch immer, denn vorhanden und fühlbar sind sie dann dennoch) falls tatsächlich in der Folge, im engeren Umfeld jemand schwer erkrankt, will ich gar nicht anfangen… ich habe auch Zweifel, ob ich mich psychisch davon je wieder erholen würde.

Und hier bin ich dann an dem Punkt, wo ich langsam nicht mehr kann. Es fühlt sich ausweglos, unbeeinflussbar und ohnmächtig in mir. Sofort springt mein Gehirn an der Stelle in den Traumamodus, sind doch die genannten Gefühle für mein Gehirn ganz klar in dem Themenbereich zu verorten. Mühsam orientiere ich mich dann wieder. Erkläre mir geduldig, dass wir nicht im damals sind. Das es jetzt um etwas anderes geht und das inzwischen seit vielen Monaten. Nur um anschließend wieder nach draußen in die Welt zu gehen und Alltag zu bewältigen ( der mit Dachschaden auch ohne Pandemie schon anstrengend ist).

Aber das kostet Kraft. Sehr, sehr viel Kraft. Und je mehr Kraft es schon gekostet hat, umso schwerer fällt es mir. Je schwerer es aber fällt, je mehr die Erschöpfung überhand nimmt, desto mehr Raum können die Ohnmachtsgefühle einnehmen… ein Teufelskreis.

Um es mal mit den Worten von Herrn Söder auszudrücken : Vielleicht bin auch ich sehr viel näher an meinem ganz persönlichen (psychischen) kompletten Shutdown als Ich denke?

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Ein halbes Leben Psychotherapie

Neulich musste ich darüber nachdenken, dass ich tatsächlich mehr Jahre meines Lebens mit wöchentlicher Psychotherapie verbracht habe, als ohne.

Ich bin unentschieden ob mich das traurig stimmt oder froh. Traurig, weil es nötig war/ ist oder froh, weil ich das Glück hatte, die Unterstützung so viele Jahre bekommen zu haben.

Nachdenklich machte mich auch die Frage, was es mir gebracht hat und wie es für mich vielleicht gelaufen wäre, hätte ich keinen Zugang zu Psychotherapie gehabt.

Die letzten fast 20 Jahre begleitet mich ein und derselbe Therapeut und was rückblickend tatsächlich am meisten geholfen hat, war diese Kontinuität. Es waren nicht spezielle Techniken oder besondere „Durchbrüche“ in der Therapie. Keine Schlüsselerlebnisse. Was mich uns hat wachsen lassen, war der Mensch (Therapeut) der unerschütterlich an unserer Seite war. Jeden Weg mitgegangen ist und oft nichts weiter getan hat, als da zu sein und uns wohlgesonnen zu sein. Klingt banal, ist es aber nicht.

Um ein Beispiel zu nennen, was uns sehr deutlich in Erinnerung geblieben ist. Eine Kleinigkeit. Beim Wechsel zu einer neuen Arbeitsstelle, (den wir wirklich sehr fürchteten und Angst hatten, dass nicht zu bewältigen, schlussendlich in der Erwerbsminderung zu landen) hatten wir am Morgen des 1. Arbeitstages eine Mail in der nur stand, er wünsche uns einen guten Start am Neuen Arbeitsort. Dieser eine Satz hat uns so sehr geholfen! Wir haben uns in unserer Angst wahrgenommen gefühlt und gleichzeitig bestärkt darin uns weiter durchzukämpfen. Das ist das „da sein und mitgehen“ das ich meinte. Mehr braucht es oft nicht.

Klar. Eigentlich ist das etwas, dass Eltern für ihre Kinder tun. Ich habe solche Eltern nicht. Umso mehr weiß ich es zu schätzen.

In all den Jahren hat sich die Art der Therapie auch verändert. Heute ist es oft so das es sich wirklich anfühlt als Besuche man seine Eltern einmal die Woche und berichtet von seinem Leben. Hier und da bekommt man einen Ratschlag, oft geht es aber um tausend alltägliche Themen, Smalltalk, wie der Urlaub war. Politische Themen oder Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung. Heute sind es meist nicht mehr so tief erschütternde Erinnerungen, Gefühlslagen, Problematiken, die früher den Hauptteil der Therapie ausmachten.

Unser Leben ist heute sehr viel ruhiger. Weniger Katastrophen. Keine äußere Gewalt mehr. Wie sagt man so schön: Heute fühlen wir uns sehr viel mehr getragen von unserem Leben. Die Beine sind nicht mehr so wackelig, die Angst nicht mehr immerzu so vernichtend und auch viele von den Auch-Ich’s sind erwachsener geworden.

Wir haben beruflich einen „Raum“ gefunden, den wir mit unseren Beeinträchtigungen bewältigen können. Die sehr wütenden Auch-Ichs sind unheimlich gut darin, diesen Raum auch zu bewahren und zu schützen. Vor 20 Jahren undenkbar, aber heute sitzen sie sachlich den Vorgesetzten gegenüber und erklären was wir alles tun für eine Teilhabe am Arbeitsleben und das wir dementsprechend vom Arbeitgeber ebenfalls erwarten seiner Verantwortung, uns diese Teilhabe zu ermöglichen, gerecht zu werden.

Weiß man, wie diese Auch-Ichs eigentlich agiert haben und wie sie gelernt haben zu sein, dann weiß man, wie beeindruckend das ist. Noch heute werden sie vom Helfermenschen schnell als „Destruktive“ bezeichnet. Ich bin den wütenden Auch-Ich’s aber unsagbar dankbar. Denn sie haben die Energie, die oft nötig ist oder vielleicht besser nötig war, um nicht unterzugehen!

So haben die meisten von uns eine Aufgabe gefunden, die uns nutzt und nicht den Tätern. Oft war das kein wirklich bewusstes erarbeiten, sondern vieles hat sich einfach so ergeben oder es waren Entscheidungsprozesse, die nicht im Bewusstsein abgelaufen sind. Was gerade zur Anfangszeit, also bei erstmaliger Auseinandersetzung mit uns, der einzige gemeinsame Nennen war: „Wir werden nicht untergehen und die ganze Welt kann uns mal, wie wollen selbständig und finanziell unabhängig leben.“ zieht sich bis heute durch und war auch der Rahmen, in dem jedes Auch-Ich sich einbringen konnte und seinen Platz finden durfte.

Natürlich läuft das nicht so perfekt, wie es jetzt klingt. Der ein oder andere macht bis heute nicht mit. Noch immer gibt es Ausreißer in alle Richtungen aber eines ist geblieben und eint tatsächlich die Mehrheit: Frei und finanziell unabhängig leben.

Manchmal auch mit dem Zusatz: Koste es, was es wolle!

Traurig macht der Rückblick auf mein Leben allerdings auch. Wenn ich daran denke, wie unmöglich es mir mit 20 Jahren war, auch nur Brötchen beim Bäcker zu kaufen. Und der Grund. Man muss sagen „Ich hätte gerne Brötchen.“ nichts weiter. Nur in meinem Kopf bedeutete das, ich werde sterben! „Ich möchte Brötchen“ ist ein Bedürfnis das man laut ausspricht. Ein Bedürfnis aussprechen, selbst ein so banales hat mich vor Scham im Boden versinken lassen, außerdem war es verboten und zudem macht dich jedes, wirklich JEDES Bedürfnis das du preisgibst angreifbar. In meiner Welt wurde das sofort und vernichtend gegen dich verwendet…

Daran zu denken und wie sich das auf nahezu jede noch so kleine Alltagssituation ausgewirkt hat, macht mich heute fassungslos. Ich war unglaublich geschädigt. Mein Angst vor Menschen und Ihren Abgründen überwältigend. Ich kenne niemanden der fürchtet bzw. überzeugt ist die Bäckereifachverkäuferin wird sagen: „Nein! DU kriegst kein Brötchen! Was fällt dir eigentlich ein, eins zu verlangen!“ Und heute empfinde ich tiefes Mitgefühl und riesige Traurigkeit darüber, wie lange ich so gelebt und gefühlt habe und wieviel Lebensjahre draufgegangen sind und wieviel Therapieschmerz es erfordert hat, heute ohne nachzudenken kurz beim Bäcker ein Brötchen zu kaufen.

Auch hier sind wir heute versöhnlicher. Das sind nunmal die Karten, die das Leben an uns verteilt hat und wir fühlen eine Gewissheit, dass wir mit dem Blatt das wir auf der Hand haben, dass bestmögliche aus dem Spiel machen werden. wir haben die Karten nie hingeschmissen oder sind daran völlig verzweifelt. Ja es war ungerecht und das ist es noch heute aber da höre ich die wütenden Auch-Ich’s auch wieder laut werden und Energie bereit stellen „Scheiss drauf! Die Welt kann uns mal!“

Was eigentlich bedeutet, wir werden immer versuchen, soviel „normales“ Leben zu erleben, wie es geht. So viel schönes und lebenswertes zu erleben, wie es uns möglich ist. WIR WOLLEN LEBEN und ERLEBEN, dass wollten wir immer. Das Gefühl, da muss es noch mehr geben und das Leben ist uns noch was schuldig hat uns vieles durchhalten lassen.

In diesem Sinne:

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Alltagsdramen

Manchmal bin ich genervt von mir, der Welt, dem Leben und genervt davon, dass sich so vieles im Alltag gleich wie „es geht um Leben und Tod!“ anfühlt.

Die Hitze der vergangenen Wochen veranlasste meinen Kühlschrank dazu mir mitzuteilen „Ich mach das nicht mehr mit! Dachgeschosswohnung ist mir zu heiss!“ und anschließend stellte er seinen Dienst ein. Mein erster Reflex war mich heulend vor den Kühlschrank zu schmeißen und zu warten, dass ich auch den Geist aufgebe.

Der Gedanke einen neuen auszusuchen, mich zu fragen, wo will ich den kaufen? Im stationären Handel? Online? Wer liefert überhaupt bis in die Wohnung? Wann ist es möglich eine Lieferung entgegen zu nehmen. Den einfach einen Tag frei nehmen, ist so einfach nicht möglich.Von all dem fühlte ich mich maßlos überfordert.

Lag der zweite Gedanke nahe: Ach, man kann auch hervorragend ohne Kühlschrank auskommen!

Das allerdings führte das ein oder andere Auch-Ich geradewegs in noch größere Verzweigung. Weil es jämmerlich ist kein Kühlmöglichkeit zu haben. Weil es eben nicht hervorragend geht, keine frischen Lebensmittel lagern zu können und zu guter Letzt noch, wie gemein ist es, sich selbst so zu behandeln? So im Sinne von „ schau wie du klar kommst. Leb damit, wie es jetzt ist.“

Abgesehen davon hat eine Woche kühlschrankloses Leben gezeigt, dass es deprimierend ist, trockenes Brot als Frühstück mit zur Arbeit zu nehmen, schwarzer Kaffe scheiße schmeckt und Haferflocken mit Wasser zubereitet auch nicht glücklich machen. Sich auf dem Weg ein belegtes Brötchen kaufen fiel ebenfalls aufgrund innerer Regeln und Zwänge unter „Nicht erlaubt!“.

Ich bin ehrlich, ich habe das Kühlschrankproblem aus purer Überforderung wegignoriert. So hat sich ein anderes Auch-Ich gezwungen gesehen zu handeln. Der Kühlschrank wurde online bestellt, geliefert wird heute, bis an den Aufstellungsort.

Das ganze Innere Drama also eigentlich unnötig…

Trotzdem reicht es noch nicht für Beruhigung, denn in den Bewertungen stand mehrmals, die Spedition habe sich geweigert die Ware hoch zu tragen.

Nun warte ich also ängstlich auf die Lieferung und male mir aus, wie ich am Ende mit dem Kühlschrank heulend auf der Straße stehe…

Während andere im Kopf schon Pläne haben, wie sie die (mit Sicherheit männlichen) Speditionsmitarbeiter ganz sicher dazu bringen, die Ware ins Haus zu tragen. Ziemlich abgestoßen von diesen Plänen und traurig darüber, welche Problemlösung meinem Gehirn scheinbar die nächste ist, warte ich also weiter.

Warte und merke das ich vor Anspannung schon Drehschwindel habe. Die Panikattacke dicht unter der Oberfläche lauert und ich schon wieder kurz davor bin, mich schluchzend auf den Boden zu werfen.

Und das alles wegen einem Kühlschrank!

Alltagsdramen…

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Vom Scheitern oder von Selbstfürsorge

Ich hab mich noch nicht entschieden wie ich mich heute beurteile oder aber verurteile…

Es fängt an mit einem abgebrochenen Zahn. Ich hasse Zahnarztbesuche! Nicht, weil mir die Behandlung Angst macht. Ist mir alles gleichgültig. Meinetwegen auch gerne mit zehn Spritzen, alles egal. Was mich panisch macht, ist die körperliche Nähe. Und was es noch schlimmer macht, ist die liegende Position mit geöffnetem Mund. Je nach dem welcher Zahn behandelt wird, auch noch mit einer „Vorrichtung“ die ein Schließen des Mundes unmöglich macht. Schon beim Schreiben rollen die Erinnerungen ins Bewusstsein… Nichts anderes auf der Welt bringt mich so nah an den nervlichen Zusammenbruch. An eine Überschwemmung mit alten Bildern und Gefühlen.

Es ist jedes Mal eine enorme Kraftanstrengung mich und uns nicht in diesem Strudel verschwinden zu lassen. Nicht zuzulassen, dass die Welle mich mitreißt…. grauenhaft.

Todesmutig hatte ich heute dennoch einen Termin beim Zahnarzt. Dummerweise habe ich im Ansatz nicht daran gedacht, dass dieser Kampf gegen die Panik durch das Tragen von Mundschutz im Wartebereich zur Katastrophe werden könnte. Grundsätzlich finde ich Mundschutz nicht angenehm,wer tut das schon, aber es macht mir keine wirklichen Probleme.

Tja. Heute war es anders. Schon nach fünf Minuten im Wartezimmer war ich kurz vorm durchdrehen. Ich bekam keine Luft mehr, mir tropfte der Schweiß von der Stirn und alles was ich noch denken konnte war, ich will raus und mir das Ding vom Gesicht reißen!

Eine Weile war ich noch gewillt das jetzt gnadenlos durchzuziehen und den blöden Zahn behandeln zu lassen. Nach 15 Minuten warten entschied ich mich wieder zu gehen. Ich hatte schon soviel Energie verbraucht und an eine Behandlung ohne Kontrollverlust durch Erschöpfung war nicht mehr zu denken.

Unter Aufbietung allerletzter Selbstbeherrschung sagte ich der Dame am Empfang das ich wieder gehe. Ich konnte klären das ich einen neuen Termin benötige und dann auch die Möglichkeit in einem Raum alleine und ohne Mundschutz zu warten. Relativ problemlos ließ sie sich darauf an. Ich vermute der Wahnsinn stand mir schon in den Augen 😂

Erhobenen Hauptes verließ ich die Praxis.

Kaum im Auto sitzend heulte ich Rotz und Wasser. Verfluchte die ganze Welt und hasste mein Leben, meine scheiss bescheuerte psychische Behinderung und die Ungerechtigkeit, dass es einfach niemals aufhört und ich immer wieder, für den Rest meines Lebens damit Ringe und hadere!! Ich fühlte mich jämmerlich! Wie erbärmlich es doch ist, weiter mit dem kaputten Zahn herumzulaufen. Ich tat mir selber leid 🙄

Inzwischen bin ich zuhause und kann schmunzelnd an das Drama denken… und stelle zumindest fest, dass es mich nicht (so wie früher) für Stunden und Tage in meinem Leid hat versumpfen lassen.

Morgen geht es also wieder zum Zahnarzt.

Ob ich mich nun als scheiss Verrückte beschimpfen werde oder mir neutral zugestehe eben eine enorm belastende Situation verlassen und eine andere akzeptable Lösung gefunden habe, bleibt noch offen..

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Demokratie ist nicht mein Ding?

Zur Zeit kommt man nicht umhin sich Gedanken über Freiheitsrechte, Demokratie und Corona zu machen. Ganz schnell denkt man sich dabei aber ziemlich schwindelig im Kopf und stolpert über die Widersprüche im eigenen Kopf.

Ja. Ich bin ein großer Freund von persönlicher Freiheit! Meine Lebensgeschichte hat in mir tiefe Spuren hinterlassen und ich reagiere auf alles, was sich nach Verletzung meiner Grenzen und meiner persönlichen Freiheit anfühlt.

Gerne nehme ich die ein oder andere gesellschaftliche Regel oder Parkscheibenregeln 😉 auch nicht ganz so genau, allerdings nehme ich dann auch Sanktionen klaglos in Kauf, weil ich mich so entschieden habe. Auch das empfinde ich als meine persönliche Freiheit. Ich lebe in einem Land, in dem ich Ordnungswidrigkeiten begehen kann, solange ich die Strafe zahle. Das ist ok für mich, denn gefühlt habe ich immer noch eine Wahl. ich kann abwägen welchen Preis ich zu zahlen bereit bin und ob es mir das wert ist.

Beim Thema Corona war und wird meine Haltung durch die Masse an Informationen, ständig neue politische Haltungen und Entscheidungen aber häufig verwirrt. Zwischendurch war ich von mir selbst enorm erschrocken und habe mir unterstellt, dass Demokratie wohl nicht mein Ding ist. Meinungsfreiheit ist schön, aber ich stelle fest, dass ich so manche Meinungsäußerung so langsam mal satt habe und wäre ich politischer Entscheider… ja, dass wäre nicht gut.

Mir gehen z.B. Demonstranten die in Massen auflaufen, ohne Abstand und Einhaltung sonstiger Corona-Regelungen ganz gehörig auf den Keks. Ich schaffe es nicht, ihnen Meinungsfreiheit und ein Recht auf Demonstrationen zuzugestehen. Ich bin an dieser Stelle ganz klar für Sanktionen. Ihr wollt demonstrieren ohne Abstandsregeln? Alles klar. Dürft ihr, die Konsequenz ist: Name und Adresse bitte. Wenn du an COVID-19 erkrankst, bist du für diese eine Krankheit nicht krankenversichert und trägst die Kosten selbst. Du möchtest nicht deine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, dann kann die Gesamtgesellschaft auch nicht die Kosten deiner Behandlung übernehmen.

Das ist nur ein Beispiel von den Vielen eher extremen Haltungen, die ich derzeit in mir wahrnehme und fühle. Inzwischen glaube ich aber nicht mehr, dass Demokratie grundsätzlich nicht mein Ding ist. Mein Verständnis von Demokratie ist einfach etwas restriktiver:

In einer Demokratie grenzt mein persönliches Freiheitsrecht an dem Punkt, wo ich anderen schade!

Ich kämpfe jeden Tag mit den Auswirkungen, die es auf mich hatte, dass die Gesamtgesellschaft mich vor Gewalterlebnissen nicht schützen konnte. Ich persönlich nehme daher meine persönliche Verantwortung, neben meiner persönlichen Freiheit, sehr ernst und ich erwarte von meinen Mitmenschen das Gleiche.

Jetzt muss ich lachen, weil in meinem Kopf Worte auf die Goldwaage gelegt werden und ich ein netten Kommentar zu meinem letzten Satz bekam: Nö, von anderen Menschen erwarte ich schon lange nichts mehr. Man kann nix erwarten. Änder das um in „Ich verlange“

Also in diesem Sinne: Ich verlange von den Menschen, dass sie (ganz im Rahmen ihrer Möglichkeiten) ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nachkommen. Punkt.

Auch mir sind manche der aktuellen Regeln zuwider. Auf anderes hab ich keine Lust und Mundschutz finde ich auch doof. Einen verantwortungsvollen Weg kann man aber immer finden. Ich muss z.B. auch jetzt weiter im Großraumbüro arbeiten. Mundschutz 10 Stunden am Tag kommt nicht in Frage (wird auch nicht von uns verlangt), bedeutet aber für mich, dass ich null Kontakte außerhalb der Arbeit habe. Ich kaufe auch kontaktlos beim Onlinesupermarkt ein. So schleppe ich bei der Arbeit garantiert nichts ein und wenn ich es rausschleppe, dann endet die Infektionskette bei mir. Schön ist die völlige private Kontaktlosigkeit nicht, aber es ist doch nicht für immer.

Einschränkungen und Unannehmlichkeiten sind für einen begrenzten Zeitraum. Es hört wieder auf und ich bin froh das so klar bewusst zu haben und auch zu fühlen. Es ist nicht wie im Damals, wo es sich unendlich anfühlte. Es ist nicht das Damals.

Es wird nicht ewig dauern.

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Nur eine Frage zu Corona:

Werden all die Staaten dieser Welt sich auch nach Corona angemessen um ihr medizinisches Personal kümmern? Wird es ein Corona-Entschädigungsgesetz (ähnlich dem Kriegsopferentschädigungsgesetz) geben, um dem traumatisierten ärztlichen und pflegerischen Personal zu helfen? Wird es ihnen ähnlich unmöglich gemacht Hilfen auch wirklich zu bekommen, so wie im Opferentschädigungsgesetz?

Ich fürchte ich kenne die Antwort und umso mehr Achtung habe ich vor denjenigen, die an forderster Front stehen. Applaus wird ihre Psyche jedoch nicht vor dem Brechen bewahren und schon gar nicht heilen.

Diese Erkrankung lässt das medizinische Personal völlig macht- und hilflos zusehen. Es gibt keine wirklich hilfreiche medizinische Behandlung. Kein wirksames Medikament. Ein maximales Gefühl von Kontrollverlust. Verbunden mit einem Mangel an Eigenschutz. Sorge um die eigene Gesundheit und die der eigenen Familie. Zusehen (bisher in anderen Ländern und noch nicht in Deutschland) wie einer nach dem anderen stirbt… es ist grauenhaft und es braucht schon übermenschliche Resilienz um da einigermaßen unbeschadet durch zu kommen.

Ich selbst habe unter anderem auch eine Ausbildung als examinierte Pflegekraft und ich bin ehrlich: Für kein Geld der Welt und keinen Applaus kehre ich in diesen Beruf zurück! Nicht freiwillig und auch nicht durch die geplanten Zwangsverpflichtungen. Denn niemand wird den Traumatisierten helfen oder ihr Trauma gesellschaftlich auch nur anerkennen.

Ich wünsche mir sehr, für diese Menschen, dass es anders kommt. Daran glauben kann ich nicht.

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Wenn Elefanten groß werden…

Kennt ihr die Geschichte des kleinen Zirkuselefanten? Der, der von Geburt an eine Kette am Fuß trug, die ihn hindern sollte wegzulaufen? Wochen, Monate, jahrelang hat der kleine Elefant an der Kette gezogen und gezerrt. Immer und immer wieder. Dann kam der Tag, an dem er sich abgefunden hatte, mit der Kette an seinem Fuß, mit seinem kleinen Bewegungsumkreis. Nie wieder hat er versucht sich von der Kette zu reißen. Zu tief saßen die Überzeugungen aus der Kindheit: diese Kette werde ich niemals losbekommen! So konnte er nicht wissen, dass er als erwachsener Elefant längst frei ist. Die Kette kann ihn nicht mehr halten… und er bleibt gefangen, weil er seinen Kindheitstraumen nicht entkommt!

So ist es doch auch bei uns. Spricht es hinter mir. Ja kann schon sein. Kommt von rechts. Jetzt mischt links sich ein:

Ja. So ist es!

Wenn ein ganz reales Monster, aus deiner Kindheit, (den du immer noch genau so vor Augen hast, groß, mächtig, unbesiegbar) im heute, (Im richtigen jetzt der Therapeuten) mit Rollator neben dir geht

Dann denk daran! Du bist kein kleiner Elefant mehr! Du bist groß und stark und was da neben dir, am Rollator geht, das ist im heute keine Kette mehr an deinem Fuß!

Du kannst fortgehen, einfach so.

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Ein schwieriges Thema

Eins das auf jeden Fall Emotionen hochkochen lässt. Daher nun gleich zu Beginn. Worüber ich sprechen werde, bezieht sich auf mich. Meine Erinnerungen, meine Ergebnisse, meine Gedanken und endet mit meinem Fazit und meiner Sicht auf Die Welt.

Bei nichts davon setze ich eine Allgemeingültigkeit voraus. Meine Schilderungen sind völlig subjektiv. Es liegt mir fern jemanden zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen. Deshalb steht nun hier ein ziemliche ausführliche Vorwarnung. sofern sich dennoch jemand gekränkt, getroffen oder anders ungut mit dem fühlt, was ich schreiben werde, gerne kommentieren.

 

So. wie fange ich jetzt an? Ich denke es wird ein längerer Text, denn irgendwie muss ich weit ausholen…

 

Aber von Vorne. In den letzten Tagen hatte ich mehr Freizeit als gewöhnlich. Und um mein neues Notebook auch zu nutzen, surfte ich recht allgemein durchs Netzt. Facebook, WordPress, Nachrichten, das Übliche.

 

Auf welchen Wegen auch immer, stolperte ich über den Fall des Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz, der inzwischen bereits verhandelt ist und auch darauf, dass einer der früheren Opfer, jetzt 16 Jahre alt, selbst angeblich nun zum Täter geworden ist und in Untersuchungshaft sitzt. Darauf komme ich später nochmal zurück. Zunächst geht es in andere Richtung weiter.

 

Ich laß verschiede Presseartikel, sah mir Reportagen an. Jetzt erstmal wieder eine Feststellung vorab, was dort geschah ist schrecklich für die Opfer, eine Straftat und ich heisse nichts davon gut.

Auf einer rationalen Ebene.

Als ich diesen Satz dachte, sah mein Gesicht vermutlich eher so aus 😳

und dann so 😱

Warum? Die Tatsache, dass ich das oben benannte absolut ausschließlich rational wahrnahm, hat mich erschreckt. Diese völlige Fehlen von Gefühl dazu und eine Unmöglichkeit mit den Opfer zu fühlen, machte mir Angst.

Ich sah eine Pressekonferenz zu den ersten Ermittlungsergebnissen. Durch die Polizei wurden Angaben zu den Taten, den Ausmaßen gemacht und der Pressesprecher rang sichtlich um Fassung. Seine Stimme brach immer wieder und man spürte, wie hoch emotional belastet er in diesem Moment war. Meine Reaktion darauf war Irritation. Irritation und die Unfähigkeit mich in diesen Pressesprecher einzufühlen. Ich habe nicht einmal eine Idee, wie ein Mensch emotional aufgestellt ist, der so reagiert.(reagieren kann, so berührbar ist).

die Irritation bezog sich aber auch auf die in allen Berichten spürbare echte Fassungslosigkeit und Empörung. Über das Entsetzen des Ausmaßes. 20 Jahre lang, über 40 Kinder. Täter die sich austauschen, Video- und Bildmaterial anfertigen usw.

 

Ich bin erstaunt weil es den Menschen so erschreckend vorkommt.

Auch hier musste ich feststellen das ich sehr emotionslos und empathiebehindert bin. Meine Gedankengänge waren sachlich. Die Anzahl der Kinder finde ich nicht ungewöhnlich, die Dauer nicht, die Maschen nicht, alles nicht.

In meiner Lebenrealtität passierte das genau so. Menschen die dies mit Kinder tun, begnügen sich niemals! mit einem. Es gibt immer mehrere Kinder. Es gibt so viele Kinder, wie irgendwie verfügbar. 20 Jahre sind nicht sonderlich lang. Nicht für mich. Täter dieser Art, die machen das seit nem halben Jahrhundert. Und wurden niemals erwischt. Keiner der an mir zumTäter wurde, wurde jemals erwischt! Ich mag nicht hochrechnen, wieviele Opfer das bedeutet.

 

Damit will ich nicht sagen, dass die Empörung der Öffentlichkeit nicht echt oder berechtigt ist. Das ist sie! Aber, diese Empörung ist fern der Realität. Es sollte nicht so überraschen. Das was dort aufgeflogen ist, passiert überall. Andauernd und oftmals für immer unbemerkt. Das der Öffentlichkeit bewusster zu machen, könnte hilfreich sein.

Jetzt zurück zu der Inhaftierung des Jungen. An dieser Stelle ist es für mich schwierig.

Ich erinnere eigenes sexuell übergriffiges Verhalten aus meiner Kindheit und Jugend. Ich erinnere das Verhalten gezeigt zu haben, ohne Anwesenheit und somit direkte Anweisung dazu von Erwachsenen.

Ich weiß das es mir normal und ganz sicher nicht falsch vorkam. Im Rahmen meines Kontext ist das durchaus verständlich. Für mich war nicht rational erkennbar etwas Falsches daran, da ich, zumindest als Kind, nicht das Wissen über Strafgesetze hatte. Auch emotional konnte ich in den Handlungen nichts falsches fühlen. Hatte ich das doch tausendfach an mir erlebt. Mit diesen Handlungen befand ich mich völlig in meinem Spektrum/ Erfahrungshorizont von „normal“.

Bis heute, so wurde mir bewusst, habe ich in diesem Bereich einen blinden Fleck. Nicht rational. Ich kann heute durchaus differenzieren, wo eine strafrechtlich relevante Grenzüberschreitung beginnt. Was ich auch heute (noch) nicht kann, ist diese Grenzüberschreitung fühlen. Ich bin nicht in der Lage, so wie der oben erwähnte Polizist, bei dieser Thematik emotional berührt zu werden.

Ich kann weder für mich selbst echte Empathie (an dieser Stelle) empfinden, noch für andere.

Nach Recherchen stellte ich fest, dass es heute spezielle Einrichtungen gibt, für Kinder und Jugendliche mit sexuell übergriffigen Verhalten. Die Kinder erhalten dort spezielle Therapien und werden begleitet, um zu verhindern, dass sie erwachsene Täter werden. Eine Bewertung ob oder wie sinnvoll das in der Form ist, will ich nicht vornehmen. Kann ich auch nicht.

Tatsache ist, hätte eines der Kinder aus meiner Vergangenheit meine Grenzüberschreitung als solche erkannt und einem Erwachsenen mitgeteilt ( beides war zugegeben in meinem damaligen Umfeld wohl schwer möglich) wäre ich in der Kategorie Täter und „sich zum Täter entwickelnde“ eingestuft und ggf. behandelt worden.

So war es nicht. Ich landete als Anfang zwanzigjährige im psychiatrischen System und man klassifizierte mich als Opfer. Dieses Etikett trage ich bis heute. Die Gefahr darin und meine Erfahrung ist, dass dieses Etikett dazu führt, dass ich jeweils in der Opferposition wahrgenommen werde. Alle meine abweichenden Verhalten werden auf dieser Basis betrachtet.

Hier nochmals die Zwischenbemerkung: es geht nur um mich! Für andere zum Opfer gewordene können völlig andere Dinge gelten, was hilfreich, nicht hilfreich ist!!

Habe ich in der Vergangenheit berichtet, dass ich (ich steht hier für wir oder andere Anteile) im sexuellen Bereich durchaus auch Spaß und Lust an der Ausübung von Gewalt (hier mit anderen Erwachsenen) erlebe, so wurde mir stets und immer gesagt, dies sei nicht ungewöhnlich für Opfer. Tätergewollt. Täterinduziert sind hier die Stichworte. Das das dem aktuellen Stand der Forschung entspricht, will ich nicht diskutieren.

Mir geht es darum, dass für mich nach und nach der Eindruck entstand, dass ich als völlig passives Opfer wahrgenommen werde. Alles ist gemacht, verursacht, konditioniert. Verschiedene Anteile reagierten darauf sehr zornig und inzwischen bin ich an der Stelle ebenfalls ambivalent.

Denn alles das was angeführt wird, ist sicherlich eine Erklärung für Dinge, die ich getan habe. Ich bin nicht Schuld in dem Sinne, dass ich bewusst anderen geschadet habe oder gezielt benutzt habe. Aber mein eigenes Opfer sein entbindet mich nicht von Verantwortung! Ich habe Dinge gemacht, die Schaden zugefügt haben. Ich habe es nicht besser gewusst oder gekannt. Trotzdem möchte ich in dieser Verantwortung heute ernst genommen werden. Ich erwarte auch von Therapeuten (die sich als Traumatherapeuten bewusst für die Arbeit mit Opfern entschieden haben und gegen die Arbeit mit Tätern) das diese bereit und in der Lage sind, sich mit mir trotzdem auch diese Bereiche anzusehen. Die mir (oder vorallem sich selber?) an dieser Stelle nicht sofort versichern, dass bin nicht ich, dass ist ein Täterintrojekt. Ich möchte mir im heute diese Bereiche in mir ansehen. Ich möchte hinfühlen. Verstehen und selber entscheiden was davon gehört zu mir etc. Ich will mich auseinandersetzen auch mit möglichen Schuldgefühlen oder der Abwesenheit derselben.

Ich frage mich woher es kommt, das wurde man einmal als Opfer etikettiert, alles aus dieser Perspektive betrachtet wird. Es wird nicht verurteilt, ich soll mich gar nicht ernsthaft damit befassen.

Hätte meine Etikett damals, was durchaus im Bereich des Möglichen war, die andere Richtung genommen, dann hätte man mich mit meinen Taten konfrontiert. Hätte eine Verantwortungsübernahme und eine Auseinandersetzung von mir gefordert. Hätte mich als unbelehrbar verurteilt, hätte ich es nicht getan.

Warum also spricht man mir im Rahmen von Traumatherapie in der Regel die Verantwortung ab. Warum soll ich mich nicht damit befassen?

Ich verstehe das es an verschiedenen Punkten der Therapie sicher völlig destabilisierend ist, an diesen Themen zu arbeiten. Gerade zu Beginn ganz sicher!

Meiner Erfahrung nach wird das Thema unter Traumatherapeuten aber ganz gern dauerhaft vermieden und bringt viele Therapeuten ziemlich aus dem Konzept. Liegt es daran, dass man doch den Opfern helfen will und es schwierig wird, auch innerlich für einen Therapeuten, wenn diese klare Abgrenzung von hier die armen, hilflosen Opfer und da die bösen monströsen Täter verschwimmt?

Zugegeben, dass Thema macht auch mich ziemlich wirr im Kopf.

Mir wurde von verschiedenen Therapeuten gesagt, dass ein solches Verhalten als Grundschulkind sicherlich nicht aus eigenem Wollen und Antrieb entstand, sondern Folge der selbst erlebten Gewalt ist. Dem stimme ich zu. Aber auch die Menschen, die Täter an mir wurden, kamen nicht so auf die Welt. Auch sie haben die Gewalt an mir aus einem spezifischen Kontext heraus ausgeführt. Inwieweit da wirklich und tatsächlich ein „freier Wille“ existiert, ist vermutlich eher philosophisch zu diskutieren. Ich denke das ein solcher Kontext, bzw. eine bestimmte Richtung die etwas oder jemand genommen hat ab einem gewissen Punkt nicht mehr umkehrbar oder aufhaltbar ist. (Auch hier wieder explizit der Hinweis darauf das es mir nicht darum geht Gewalt zu entschuldigen, zu negieren oder Ähnliches! Ich versuche für mich Dinge erklärbarer zu machen. Ich sage auch nicht, dass Gewalt eine Unvermeidbare Sache ist, ich denke nur, dass an einer frühen Stelle im Kontext angesetzt werden muss Warum werden dia n mir zu Tätern gewordenen als böse bewertet und ich nicht? „Sie sind das Opfer!“ bekomme ich gesagt.

Wo liegt der Unterschied? Vielleicht darin, dass ich seit 20 Jahren zur Therapie gehe. Mich auseinandersetze. Ich verhindern will, dass ich die Gewalt weiter gebe.

Falls ja, woran liegt das? Ich bezweifle das das tatsächlich ein Verdienst meines „besseren Charakters“ ist. Ich denke, Zufall spielt da eine viel größere Rolle. Ich kam mit bestimmten Anlagen zur Welt. Die sind nicht mein Verdienst. Es gab Rahmenbedingungen die mich geprägt haben. Vielleicht war zwischen der ganzen Gewalt zufällig etwas dabei, das mich in der Form prägte, dass ich nicht so weiter machen möchte. Konkret benennen kann ich hier nichts.

Ich habe nicht das Gefühl hier jemals eine bewusste Entscheidung getroffen zu haben. Ich hab mich nicht bewusst zwischen gut und böse entschieden ( was auch gar nicht möglich war/ ist, da ich wie erwähnt bis heute nicht in der Lage bin in diesem Bereich etwas zu fühlen! Ich weiß, dank Strafgesetzbuch heute, was falsch und richtig ist. Ich fühle es aber nicht und so entfällt ein wahrnehmen von gut und böse, was Sexualität betrifft)

Für mich fühlt es sich nach etwas an, nach ein Entwicklung in diese Richtung, die einfach auch durch die äußeren Umstände geformt wurde.

Vielleicht wäre ich im heute ein Mensch der die Kriterien eines Sexualstraftäters erfüllt. Vielleicht sogar verurteilt. Vielleicht hat es eine entscheidende Rolle gespielt, dass ich damals als Opfer etikettiert wurde. Dieses Lable hat dazu geführt das man auf meine emotionale Wahrnehmungsunfähigkeit wohlwollend reagierte. Mir wurde aus dieser Haltung heraus erklärt wo und wie massiv meine Grenzen überschritten wurden, wo Verletzungen passierten. Es wurden Verknüpfungen zu Folgen hergestellt. Alles Dinge die außerhalb meines Horizontes lagen. Sowohl rational als auch emotional.

Vielleicht stellt sich mir hier doch die Frage hinsichtlich der Richtigkeit von Therapiemethoden bei den als sexuell grenzüberschreitend etikettierten Kinder und Jugendlichen…

Das Thema ist schwierig und es macht mir bewusst, wie sehr die Grenzen verschwimmen und wie schnell man entweder auf der „guten“ oder der „schlechten“ Seite verortet wird/ werden kann.

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Urlaub

mit den kleinen Lieblingsmenschen. Bis an die eigenen Belastungsgrenzen. Zerrissenheit und die Erkenntnis das Menschen anstrengend sind. Das die Erwartung an mich selbst hoch ist und das es verdammt schwierig ist, mit eigenem gehörigen Dachschaden und den (eigenen) Anforderungen niemals einem Kind zu schaden.

Die übertragene Fürsorge für zwei kleine Mädchen fühlte sich komisch, beängstigend, erschreckend, schön und auch ein bißchen stolz machend an. Zudem Verwunderung darüber, wie jemand angesichts meines ausgeprägten Dachschadens (ok, der nicht öffentlich bekannt ist) denken kann, dass das eine Gute Idee ist.

Vieles wurde in meinem inneren berührt. Ängste und Erinnerungen geweckt.

Haare frisieren, beim duschen helfen, darauf achten das Zähne geputzt werden, nicht Schokolade die Hauptmahlzeit ist. Ja. Alltag für Menschen die Eltern sind. Ich bin es nicht. Ich habe darin keine Erfahrung und kann auch nicht auf selbst gemachte Erfahrung mit Eltern zurück greifen. Oder besser, ich will es nicht, denn das waren offensichtlich nicht die besten… Darüber hinaus habe ich erhebliche Schwierigkeiten eigene Bedürfnisse wahrzunehmen oder gar im Vorfeld zu erahnen. Das macht es noch schwieriger.

Mit kleinen Menschen entwickeln sich völlig unerwartet Dramen, deren Entstehung man auch ohne Dissoziation gar nicht wirklich mitbekommt und plötzlich steckt man mittendrin. Die eigenen Gefühle fahren Achterbahn und die verschiedenen Auch- Ichs zerren in unterschiedliche Richtungen. Werden überrollt von Gefühlen oder landen in ihren ganz individuellen alten Filmen, die unterschiedlicher nicht sein können. Alles gleichzeitig. Und vor mir steht ganz in echt ein kleines Mädchen. Wütend die kleinen Hände zu Fäusten geballt. Sich langsam in die Wut hineinsteigernd und tobend: “ NEIN!!! ICH ZIEHE KEINE JACKE AN!!!!“

Etwas ratlos lausche ich meinem inneren. Die Vorschläge reichen von „Pech. Dann frierst du halt.“ bis „Gib ihr bitte, bitte eine Jacke. Sie wird erfrieren. Ganz sicher.“ oder „Oh Gott was soll ich tun? Sie wird einen bleibenden Dachschaden bekommen und das ist ganz allein meine Schuld.“

Kurz wollte ich einsteigen in das gefühlsbeladene Drama mit dem kleinen Menschen. Dann wurde mir klar das ich keinen Machtkampf brauche. Das am Ende ich am längeren Hebel sitze, war sowohl mir, als auch dem kleinen Menschen klar. Mein äußerliches Erwachsensein gibt mir von vornherein (wenn auch ohne Berechtigung) diese Macht. Ich entschied mich also dagegen, ich brauche den Kampf nicht und ich lege keinen Wert darauf ihr meine Macht zu demonstrieren. Weil es sie ohn-mächtig macht. Das Gefühl kenne ich nur zu gut. Und ich nicht will, dass sie sich so fühlt. Und ich will auch nicht, dass ich selbst Scham empfinden muss. Scham darüber einem Kind meine Macht aufgezwungen zu haben.

Sie macht sich also ohne Jacke auf den Weg zum Wandern am Meer.

Mir ist klar, dass es zu kalt sein wird und das sie frieren wird. Trotzdem muss ich ihr nichts aufzwingen. Ich packe eine Jacke ein für sie und Ihre Schwester. Während ich das mache, höre ich meine Schwester den Machtkampf um den ich mich gedrückt (ist das so?) habe, mit ihrem Kind austragen. Ich komme ins Zweifeln. Habe ich mich falsch entschieden? Habe ich eine wichtige Auseinandersetzung vermieden? Schadet meine Entscheidung gar dem kleinen Menschen? Während es in mir noch diskutiert und höchst zerrissen ist, höre ich meine Schwester sagen: „ist mir scheissegal, du bist alt genug (echt? gerade mal das 10 Lebensjahr überschritten?) ich hab auch keinen Bock deine Jacke zu schleppen…“ der Rest rauscht an mir vorbei.

Schlagartig fühle ich mich wieder klein. Fühle, wie sehr einen schon die Entscheidung eine Jacke mitzunehmen überfordern kann. Wie scheisse das ist, wenn du merkst das du es nicht wirklich einschätzen kannst, ob dir zu kalt sein wird. Wie haltlos sich dieses „ist mir scheissegal…“ anfühlt. Und wie ätzend es ist, weil du den Machtkampf jetzt nicht mehr aufgeben kannst. Du musst es jetzt durchziehen. Wenns sein muss, mit blauen Lippen und deine Tränen unterdrückend, weil dir am Ende tatsächlich scheisskalt ist! Wie einsam und traurig das macht.

All das geschieht in Sekunden. Kurz frage ich mich, ob meine Schwester nicht mehr weiß wie es sich anfühlt der kleine Mensch zu sein. Heimlich packe ich auch noch seine Jacke in meinem Rucksack.

Klar. Auch ich würde es angenehmer finden ohne Rucksack zu wandern. Er schränkt ein und nervt beim laufe. Aber verdammt nochmal, ich bin doch hier die Erwachsene!

Wenig später, mitten in den Dünen, als es beginnt zu regnen, verteile ich die Jacken an alle kleinen Menschen. Ich bin froh das ich mich so entschieden habe, denn es erspart mir drei jammernde Menschen, weil es kalt ist. Eine verletzende, Macht demonstrierende Diskussion über „Hab ich dir doch gesagt.“ und es lässt mich hoffen, dass in einigen Jahren, wenn die kleinen Menschen vielleicht selber Kinder haben, sie zu fürsorglichen Erwachsenen geworden sind, die ihren Kindern auch „das Zeug schleppen“.

Und während ich das denke schaue ich traurig auf meine kleine Schwester. In mir rührt sich etwas. Jemand will der „kleinen“ die eigene Jacke anbieten und lieber selber frieren. Und wer anders sagt emotionslos „Für sie ist es zu spät.“

Eine Welle Traurigkeit schwappt über mich und spült mich für den Rest des Tages davon.

Und im Nachhinein frage ich mich, warum wir so verschieden sind. Warum kann sie all das nicht sehen, fühlen?

Mir fällt der Satz meines Therapeuten ein, als ich ihn fragte, ob ich mich melden dürfte, wenn der Urlaub zu schwierig wird. Ich fragte, weil auch er zeitgleich selbst im Sommerurlaub war. Es also seine Freizeit war in der ich mich ihm aufdrängen würde. Seine Antwort war kurz: „Für mich ist es selbstverständlich das sie sich melden können! Zu jeder Zeit!“

Vielleicht ist es das, was den Unterschied macht. Fast zwanzig Jahre einen Menschen an meiner Seite, der es selbstverständlich findet.

Der mir „mein Zeug“ hinterherschleppt wenn ich nicht voraussehen kann, was ich brauchen werde.

So schwierig es im Heute mit ihm sein mag. Ich bin ihm unendlich dankbar, dass ich so vieles habe nachlernen dürfen. Erfahrungen die in der Kindheit nicht möglich waren.

Selbstverständlich.

Was für ein großes und bedeutsames Wort!

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Verblüfft über Verblüffung

Wie im ganzen Rest von Deutschland hat auch uns die Hitze erwischt. Zum Glück mit Ankündigung.

Ich hasse Hitze. Ich lebe im Dachgeschoss. Von Mai bis Oktober im Dunkeln, sonst ist es schon bei „normalen“ Sommertemperaturen 40 Grad in der Wohnung. Das Haus ist alt. Isolierung, was ist das?

Ich liebe meine Wohnung. Sehr sogar. Nur Sommer ist die Hölle und bei den aktuellen Außentemperaturen ist es wirklich gesundheitsgefährdend in meiner Wohnung. Unter 30 Grad bekommt man die Zimmertemperatur auch nachts mit allen Fenstern offen nicht runter.

Ich lebe dort schon viele Jahre und hab mich so durch gequält. Eigentlich habe ich mir nie groß Gedanken gemacht. Es war heiß, muss ich durch. Pech. Wer sich an den letzten Sommer erinnert, es war wochenlang sehr, sehr warm. Ich ging auf dem Zahnfleisch und hätte am liebsten ununterbrochen geheult.

Hitze erinnert. Lässt mich ins damals zurück fallen. Macht einfach ganz viel im Inneren. Erst vor kurzem wurde mir das bewusst und auch das ich mich selber behandle, wie ich behandelt wurde. Mich zwingen uerträgliche, gefährliche Temperaturen einfach auszuhalten. Hitze macht das ich mich ausgeliefert fühle. Ich kann ihr nicht entkommen und nichts dagegen tun. Die Wohnung wird unerträglich warm und ich kann das nicht ändern. Jahrelang habe ich das als gegeben hingenommen und mich in mein Schicksal gefügt.

Als nun die große Hitzeankündigung kam, hab ich mir ein Hotelzimmer gebucht. Ja. Ich wohne eine Woche im klimatisierten Hotel. Fahre von dort zur Arbeit und dann wieder ins Hotel.

Ich fand das sehr selbstfürsorglich. Allerdings scheint das für andere völlig absurdes Verhalten zu sein und das kapiere ich nicht. Meine Kollegen haben mich angesehen als hätte ich gesagt „Ich schlafe auf dem Mars.“ Und dann so Fragen wie „Was machst du denn ganz alleine im Hotel?“ Ja was soll ich machen? Das gleiche wie alleine zu Hause! Ja aber im Hotel hast du doch nichts. Hä? Ich hab alles was ich brauche. Ein Bett. Eine Dusche. Eine Toilette. Und Temperaturen die angenehm sind. Vermutlich habe ich genauso belämmert zurück geschaut, wie meine Kollegen selbst.

Was soll mir denn fehlen im Hotel? Ich finde es merkwürdig, dass man mich merkwürdig deswegen findet.

So sehr ich mich anstrenge, ich verstehe nicht warum mein übernachten im Hotel so absurd zu sein scheint.

Außerdem hat es mir ein Stück weit mein gutes Gefühl kaputt gemacht. Ich war stolz auf mich so entschieden zu haben und so gut mit mir umzugehen und mir das zu gönnen. Zu gönnen, weil es keine Notwendigkeit für meinen Hotelaufenthalt gibt. Es ist nicht erforderlich wegen beruflichen Gründen oder warum auch immer und es ist auch nicht Urlaub machen. Das kostet Geld, soviel ist mal klar und das „einfach nur“ dafür auszugeben um es für mich angenehmer zu machen, dass ist eine ziemliche Leistung an Verboten, Dissoziationen und Wahrnehmungslöchern vorbei.

Menschen sind blöd ☹️

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