Zwischendurch 

 

Etwas mehr als die Hälfte meiner Reha ist um. Es fällt mir schwer Bilanz zu ziehen. Für mich und uns waren und sind es unheimlich viele neue Eindrücke.
Zum ersten Mal erlebe ich andere Viele-Menschen in ihrem Umgang mit sich und der Welt. Ich höre in den Gruppen über ihre Ängste und Probleme, aber auch über ihr Zusammenarbeiten.

Ich bin mitunter beeindruckt. Ich staune. Ich bin traurig. Ich fürchte mich. 

Was all die neuen Erfahrungen nun für mich/uns bedeuten, dass weiß ich noch nicht.

Hier wird immer wieder gesagt wie wichtig es ist, den Bedürfnissen aller Raum zu geben. Es wird betont wie anstrengend es sein muss immer alles zu verbergen. 

Wie das im Alltag umsetzbar sein kann, dass ist mir nicht wirklich klar. Mein Umfeld ist ja nunmal mein Umfeld und es wird auch nach meiner Rückkehr nicht möglich sein, damit aufzuhöhen mein viele sein zu verbergen. 

Respekt vor dem eigenen so sein. Das ist etwas das hier ebenfalls immer wieder hervorgehoben und auch glaubhaft vermittelt wird. Das es eben nicht bedeutet verrückt zu sein. Abstoßend. Ich kann das durchaus wahrnehmen. Bin aber ehrlich gesagt erstaunt über diese annehmende Haltung. So das ich von der Umsetzung für mich selbst noch sehr weit entfernt bin. Ich ziehe es aber mal als Möglichkeit in Betracht.

Meine anfänglichen Kämpfe um Selbstbestimmung und Angst vor Grenzüberschreitungen hatten auch noch ihren Höhepunkt. Der in einer sehr bestimmten und deutlichen Grenzsetzung meinerseits und der Einbeziehung ins Behandlungsgeschehen meines ambulanten Therapeuten endete. Damit war ein Rahmen geschaffen, der mir ermöglichte mich auf das ein oder andere überhaupt einzulassen.

An dieser Stelle habe ich großen Respekt vor der Therapeutin hier, dass sie sich so auf eine Einmischung in ihre Behandlung und darauf sich auf die Finger sehen zu lassen, einlassen kann! Ich empfinde das als sehr wertschätzend was meine Bedürfnisse angeht. Auch das ist durchaus eine neue Erfahrung…

Und was mir natürlich vorallem noch einmal mehr als bewusst wurde, wie sehr ich meinem Therapeuten vertraue und wie unendlich zuverlässig er ist. Ich fühle mich sehr behütet und kann das zulassen. 

Behütet sein! Etwas das ich zuvor nicht wirklich erfahren habe und wofür ich sehr dankbar bin. Auch wenn es mich ebenfalls traurig macht, denn nun weiß ich, wieviel Sicherheit einem das behütet sein gibt und wieviel mehr an „etwas riskieren, ausprobieren und neue Erfahrungen machen“ möglich ist, wenn man so eine grundsätzliche Sicherheit wie behütet sein hat. (Jetzt bin ich mir nicht sicher ob man verstehen kann, was ich ausdrücken wollte?)

Ich denke es braucht noch eine Weile bis das ein oder andere in meinem Inneren an seinen Platz gerrückt ist und bis ich die neuen Erfahrungen und Erkenntnisse verarbeitet habe. 

  

 

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Angekommen?

Noch nicht so richtig. 

Die Klinik ist nett. Das Essen toll und das Konzept mit abgesondertem Frauenbereich überraschend angenehm.

Es fällt mir schwer mich einzulassen. Meine Therapeutin hier macht tatsächlich einen sehr kompetenten Eindruck (hinsichtlich Fachwissen und Erfahrung mit DIS Patienten) Was schon erstaunlich ist, da es in meinem inneren eine ziemlich unverrückbare Haltung von „Frauen sind weniger kompetent..etc.“ gibt.

Ich empfinde sie als streng und nicht ansatzweise so behutsam wie mein Therapeut. Sie ist nicht sonderlich zimperlich mit den Fragen die sie stellt und scheute auch nicht davor zurück mein Profil in einem sozialen Netzwerk zu checken und mir anschließend mitzuteilen, wie schockiert sie über das Ausmaß der von mir preisgegeben Informationen ist.

Ja. Schockiert hat mich das auch. Also nicht der Inhalt meines Profils, sondern das sie es sich angesehen hat. Klar ist es öffentlich, aber es hat sich nicht richtig angefühlt für mich. Grenzwertig und übergriffig? Irgendwie hätte es sich anders angefühlt, wenn Sie es angekündigt hätte. Noch besser, wenn sie gefragt hätte oder wenigstens klar gesagt hätte „Mache ich immer bei Patientinnen.“ Die Erklärung sie sei über Umwege und unbeabsichtigt darauf gelandet, ist für mein Empfinden äußerst fragwürdig. (Ja gut, ich habe es auch stundenlang versucht „auf Umwegen“ dort zu landen und ich war mir zu Recht ziemlich sicher, dass meine Privatsphäreeinstellungen dies verhindern 😕)

Sicher. Sie kennt mich nicht und sie wendet Erfahrungswerte auf mich an, die von anderen Menschen mit der selben Diagnose stammen. Und sie ist chronisch skeptisch. Ich sage ich kann über die Ostertage sicherstellen keine Täterkontkte zu haben und sie spricht es mir ab.

 Ja. Ich bin viele. Ja. Ich verstehe, dass es bei anderen mit diesem Hintergrund oftmals nicht möglich ist Absprachen zu treffen. Alles verständlich.

Aber ich bin ja Frau Lebend und bei mir ist es anders. Ich kann etwas zusichern und ich kann mich melden, wenn ich merke, dass ich mich nicht länger an die Verbindlichkeit halten kann. Kann ja jeder behaupten! Stimmt. Aber sie hat mit meinem Therapeuten telefoniert. Er hätte es bestätigen können!

Und es fühlte sich scheiße  bis bedrohlich, ausgeliefert und machtlos an, so viel Skepsis entgegen gebracht zu bekommen. Es gab mir das Gefühl das ich nicht ernst genommen werde und erinnerte mich an die Angst vor der Institution, die mich schon vorher plagte. Denn diese Frau hat in diesem, nennen wir es mal Hilfesystem, die Macht, mir abzusprechen das ich keine Gefahr für mich selber darstelle oder das ich absprachefähig bin oder oder oder. (Es kam nämlich auch gleich die Idee mich alternativ über Ostern in die örtliche Psychiatrie zu packen. Irgendwie auch nicht sonderlich feinfühlig!)

Ich hab es inzwischen angesprochen und konnte auch gut für mich klar behalten, dass ich hier einfach abreise, wenn sie diese Haltung beibehält. Ich kann mich da selbst stabilisieren, aber so richtig gut ist mein Gefühl hier nicht. Ich bin vorsichtig…

  

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Aufbruch 

Der Koffer ist gepackt und ganz bald geht es los. 5 Wochen Reha liegen vor mir und ich habe Angst.

Angst vor mir. Angst vor der „Institution“ Rehaklinik. Angst vor fremden Behandlern. Angst vor dem Herausgerissen sein aus meinen Routinen. 

Weil mein Alltag mir trotz allem Sicherheit gibt. Weil ich zumindest „funktionsfähig“ bin in all meinem Chaos. 

Viele, viele Momente der Versicherung bei meinem Therapeuten waren notwendig, dass ich mich überhaupt auf den Weg mache. Ich habe Angst in einer Klinik ausgeliefert zu sein. Womöglich in einem Zustand, der es mir unmöglich macht mich selbst zu schützen.

Horrorvisionen. Sehr unwahrscheinlich. Weiß ich alles selbst! Ängste in diesem Ausmaß sind ja nur selten rational…

Ich werde es zumindest versuchen und wenn es nicht geht, dann ist das so und ich setzte mich gleich wieder in mein Auto Richtung Heimat. Wie ein Mantra wiederhole ich mir selbst, dass ich jederzeit wieder nach Hause kann! 
Angst habe ich immer noch …

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Alles los lassen

Vielleicht ist grad die Zeit für Kontaklosigkeit?
Vielleicht ist grad die Zeit fürs einsam fühlen im alleine sein?
Vielleicht ist grad die Zeit, es schlimm, wirklich schlimm werden zu lassen?
Vielleicht ist grad die Zeit der Therapie fern zu bleiben?
Vielleicht ist grad die Zeit?
Vielleicht?

  

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Noch da oder wieder oder was auch immer

Fast ein Jahr ist es hier ruhig im Blog. Ich bin davongelaufen vor mir, meinem Leben, der Vergangenheit, den Auch-Ichs. 

Gerannt und gerannt und habe ich nicht gesehen, das ich keinen Millimeter weg gekommen bin. Ganz im Gegenteil. Mitten hinein. Hinein in das Gestern, in die Gewalt, in das Trauma, in das Damals.

Und je tiefer ich hinein geriet, umso weniger war es mir möglich zu erkennen. Ich funktionierte. Lief völlig rund. Einwandfrei in der gelernten Dissoziation. Unfähig ein ganzes zu sehen. Völlig zerfasert und zersplittert im altbekannten Trauma-Überlebensmodus!

Seit kurzem sickert das alles durch. Durch mein ganzes zersprungenes Selbst. In jede Ecke. Zu jedem Auch- Ich. Erkenntnis und Entsetzen macht sich breit.

Und Tränen. Unendlich viele Tränen. Sie tropfen auf meine Beine 

Und auf die Hände des, nein Schluss mit der „Herr Therapeut“ (so weit muss ich die Distanz nicht machen), meines Therapeuten. Der mir sagt das es vorbei ist! Und… der Rest ist schon wieder vergessen.

Ich weine und ich weiß das ich so einiges zu verarbeiten habe.

Morgen. Oder später.

Heute nicht mehr. Heute darf ich wieder ein bisschen zurück ins vergessen. Ein wenig ausruhen und das Gefühl „hat doch mit mir nichts zu tun“ wieder ein paar Stunden wie einen Vorhang vor das Grauen ziehen! 

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Es ist so schwer

Bei dieser Aussage könnte ich es belassen. Mir fehlt die Kraft zu erklären. Wieder. Und immer das Selbe und überhaupt.

Es ist so schwer.

Immer noch. Immer wieder.

Es ist so schwer. Punkt. 

Keine Energie mehr für ein Ausrufezeichen.

Tränen im Gesicht. Lautlos geweint. Kein Schluchzen. Die Augen laufen einfach über. Zuviel ungeweihte Tränen. 

Müde.

Unendlich müde.

Wird denn jemals etwas leichter sein?

Hört es jemals auf sich immer und immer wie ein großer Kampf anzufühlen?

Wird es jemals anders sein als „um mein Leben zu rennen?“

Komme ich jemals irgendwo an? Bei mir? Bei jemand? Irgendwo?

Ruhe wäre schön.

Nur einma irgendwo sitzen und das Gefühl haben „Ich bin da.“  Angekommen. Irgendwo angekommen. Selbst wenn es nur für einen kurzen Moment wäre…

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Weil mein Leben so ist…

ich überlege was ich berichten könnte aus der (doch etwas längeren) Zeit seit meinem letzten Beitrag. Die Wahrheit trifft mich unsanft: ich weiß es nicht. 

Hier ein paar Bruchstücke, da ein paar Informationsfetzen. Alles nur zusammengesucht. Ohne Zusammenhang. Ohne das wirkliche Gefühl „ich war dabei“.

Beruflich war es sehr anstrengend. Viele Veränderungen. Viel Verunsicherung und angeordnete Mehrarbeit. Drei Wochen 10 Stunden Büro täglich. Meine Energiereserven waren zwischenzeitlich im Minusbereich.

Essen und nicht essen wird zunehmend zum Problem. Konsequenterweise dann auch Sport bis zur Erschöpfung. War es zu Anfang „nur“ laufen, sind es inzwischen zusätzlich 3x zwei Stunden Fitnessstudio pro Woche. Krafttraining bis zum Muskelversagen… ich weiß gar nicht mehr wie es ist, wenn nicht sämtliche Muskeln schmerzen.

Und es erinnert. Erinnert an früher. Dieses Maß an Sport und Schmerz und… es macht gleichermaßen seelische Schmerzen, wie es eine vertraute Beruhigung macht.

Ich ahne Destruktivität. Kann es, kann mich, kann die anderen aber nicht fassen. Alles gleitet mir durch den Verstand. Nur kurze Momente und ehe ich einen Gedanken zu Ende denken kann, ist er weg.

Ich fühle mich weder gut noch schlecht, dafür kann ich zu wenig halten. Ich lebe neben mir selbst und kann nicht sagen wie es mir geht. Unmöglich mein Sein und Empfinden zu greifen.

Vielleicht, weil mein Leben einfach so ist.

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