Von Bandenpässen und dazu gehören

Ich muss selbst schmunzeln…

Eine neue Dienstanweisung des Arbeitgebers besagt, dass wir einen Firmenausweis tragen müssen. Das ganze Programm, mit Foto, Namen und Logo des Arbeitgebers. Ich bin genervt.

Am Rande nehme ich kindlichen Auch-Ich’s wahr und die freuen sich. Ja. Mit großer Ehrfurcht und Gewissenhaftigkeit hängen sie sich jeden Morgen das Ding um den Hals. Schon auf der Fahrt zur Arbeit schwappt jedesmal ihre Vorfreude in mein Bewusstsein.

Ihre Argumente? Es ist ein Bandenpass! Er bedeutet das sie aufgenommen sind, das sie dazu gehören und das sie so respektiert sind, das der Arbeitgeber sich nicht schämt das auch wir dazu gehören zu dieser Gemeinschaft und das es jeder sehen darf. 😂

Diese Gedanken der Auch-Ich’s berühren mich sehr und ich lächle sie milde an und lasse Ihnen ihre kindliche Freude daran. Dann sind wir jetzt also Bandenmitglieder!

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Seelenzeit

Die allerbeste, wunderschönste und kostbarste Zeit, ist noch immer die, die ich mit den kleinen Menschen meiner Familie verbringen. Heute ist mir das mal wieder sehr bewusst und so intensiv fühlbar, dass ich es in die Welt schreiben möchte!

Ich liebe diese Zeit und ich liebe diese Menschen, mehr als ich selber glauben kann und mehr als ich sagen kann.

Gerade liege ich müde, ausgepowert, aber total glücklich auf dem Sofa. Es war ein schöner Tag. Ich war mit den Kindern im Park, wir sind auf Bäume geklettert, haben den Kindern Räuberleiter gemacht, Handstand und Radschlag geübt bis zum abwinken. Geschaukelt mit Hindernislauf zwischen den Schaukeln durch und zum Schluss habe ich mit meinem Lieblingsmensch noch eine Stunde Fußball auf dem Bolzplatz gespielt. Und es wurden immer mehr Kinder die am Ende mitspielten. Ich habe Tränen gelacht und es war so unkompliziert. Kinder sind einfach die besseren Menschen. Auch fremde Kinder haben herrlich rumgealbert und alle hatten Spaß.

Ganz zu schweigen von meinen Auch-Ich’s, die zwar ganz klar nicht ganz heraus dürfen, denn ich bin die Erwachsene und habe für jedes Kind, auch die fremden, die mit uns spielen, jederzeit die Verantwortung! Aber die Auch-Ich’s können dabei sein. Können und dürfen sich kindlich fühlen und völlig ohne Scham auf dem Spielplatz spielen und unbeschwert sein. (Ich hab ja schließlich auch Alibikinder dabei 😂).

Was andere Erwachsene die sich dort aufhalten angeht, ist uns scheissegal was sie von uns denken! Solange die „echten“ Kinder mit denen wir spielen sich wohl fühlen und keinen Schaden bekommen ist alles gut.

Und das tun sie. Die kleinen Menschen meiner Familie lieben unsere Zeit ebenso wie ich. Sie lieben es die ganze Zeit im Mittelpunkt zu stehen und volle Aufmerksamkeit zu haben. Sie mögen die „Seiten“ in mir, die nicht „normal erwachsen“ den Kindern beim Spielen zusehen, sondern gerade das mitmachen, das aktiv sein, das kindliche in mir, macht Ihnen so viel Spaß. Kinder lieben meine (mir manchmal so verhasste) Vielseitigkeit. Für jedes Spiel, jedes Interesse, scheint es ein Auch-Ich zu geben. So kann ich mit den Mädels Handstand machen und dem Lieblingsmensch Fußball spielen. Ich bin in allen Sportarten und Handyspielen und eigentlich allen Bereichen so gut, dass die Kinder sich an mir messen können. Wettbewerb und Konkurrenz ist gerade ein wichtiges Thema bei den beiden Großen…

Und ich, ich kann ein bißchen Seelenzeit verbringen, die so unfassbar gut tut und mich aus vollem Herzen lachen lässt. Balsam für die Seele und Ausgleich für so oft, so viel Leid.

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Blinder Passagier

Heute hab ich endlich den Koffer ausgepackt um die Wäsche noch zu machen, bevor ich am Montag wieder im Büro sitzen.

Und da finde ich diesen blinden Passagier:

Erste Reaktion war Schock, wo kommt die her! Dann musste ich herzhaft lachen, weil ich an einer Mail auskam, die ein 7 jährige an die Psychologin geschrieben hat : „Schau mal ich hab schonwieder was gemoppst 😁😁“

Und irgendwie berührt mich diese „Unschuld“ so sehr und der Schalk dahinter, denn die Psychologin hatte ihre schon ein mal in einem sehr ernsten Gespräch erklärt das sie nichts moppsen darf und es bestimmt bessere Lösungen gibt.

Tja scheinbar nicht. Aber diese Ehrlichkeit mit Freude ist so erfrischend und auch so frei von „ich krieg jetzt Ärger “ das es mir einfach ein warmes Gefühl im Bauch macht. 😃

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Psychothriller

Ich will nicht so ganz weit ausholen…

Seit einer Weile, genau genommen seit der Reha (aus Gründen, also Verhandlungen und Absprachen mit manchen Anteilen) liest jemand bei uns Hardcore Psychothriller. Ich wusste bislang nicht das es sowas überhaupt gibt und der Name ist Programm!

Sadistische Grausamkeiten, Gewalt, Folter alles bis ins kleinste Detail beschrieben!

Erst eben wagte ich mal wieder einen kurzen Blick in die aktuelle Lektüre. Und trotz der detaillierten Darstellungen und Beschreibungen, auch der emotionalen Reaktionen und Gedanken von Opfern und Tätern… mich berührt es nicht. Ganz im Gegenteil. Was mir gleich ins Auge springt ist das der Autor selbst jedenfalls niemals eine der beiden Seiten selbst erlebt hat. Die Art die Gefühle der Opfer und die Gedanken zu beschreiben… große Bemühungen und viele Worte Entsetzen, Todesangst-Nähe zu vermitteln. Nee, lieber Autor, so stellt sich der „Normalbürger“ das ganze vor! Die Realität ist eine andere. Nichts davon habe ich jemals gefühlt! Nichts dergleichen gedacht.

In der Situation nimmst du kein bißchen Entsetzen wahr. Zum einen weil du es kennst. Du weißt was mit dir gemacht wird. Dein Gefühl schaltet sich aus und mit wohliger Gleichgültigkeit schaust du dem ganzen zu. Während du überlegst ob es wohl gleich schnell vorbei ist, dann schaffst du noch die Hausaufgaben oder kommst pünktlich zum Termin. Nebenbei hoffst du, dass du deine Verletzungen irgendwie verbergen kannst und dann Körper nicht so beeinträchtigt ist, das du nach außen verwundet aussiehst. Schließlich musst du gleich zur Schule und wenn man dir etwas anmerkt gibt es Probleme.

Du spürst schon lange kein Adrenalin mehr und kein Rauschen in den Ohren. Nicht jetzt. Nicht in dem Moment wo es passiert. Da hast du dich ganz leer gemacht.

Später. Ganz viel später überrollt dich vielleicht eine Welle von Panik. Aber da sitzt du gerade schon mit deiner Freundin im Kino. Du kannst es dir nicht erklären und du kannst keinen Bezug zu einem Geschehen herstellen. Also gehst du einfach darüber hinweg und machst weiter. Wenn du schon Kontakt zum Psycho-System hattest, identifiziert du eine Panikattacke. Die kommen halt einfach. Musst du dich eben beskillen und weiter.

Du bist ein Mensch, der sich jede Grausamkeit ohne ein Wimpernzucken und ohne Empathie ansehen oder anhören oder erleben kann.

Kein Entsetzen! Kein „Oh Gott wie schrecklich“! Kein Schmerz! Keine Angst! Keine Ohnmacht! Nichts.

Einfach nur Alltag. Du ziehst deine Sachen an, wäschst das Blut ab, fährst zum einkaufen und sitzt abends lachend mit deiner Freundin im Biergarten.

Manchmal regt es mich auf wie die (auch Therapeuten) sich das vorstellen. Es ist nicht Entsetzlich in der Situation. Es ist vertraut und geübt und maximal auch schon manchmal nervig, weil man für den Scheiss jetzt keine Zeit hat.

Und darüber hinaus ist es wie es ist und wie es auch immer schon war. Alltäglich wie Kaffe kochen oder nervig alltäglich wie putzen.

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Es war aufregend

Ich und die Auch-Ich’s sind wieder zuhause auf dem Sofa.

Die Reise war aufregend.

Ohne Probleme hat mein Inneres den Flughafen, das Fliegen und den Transfer gemeistert. Zumindest glaube ich das… alles mitbekommen habe ich nicht und etwas gruselig hat es sich für mich schon angefühlt mit so lückenhafter Wahrnehmung im fremden Land unterwegs zu sein.

Aber die Reise war gut vorbereitet. Alle die im Inneren erreichbar sind, waren informiert. Es waren dutzende Zettel mit Anweisungen und Beruhigungen geschrieben und auch schriftlicher Kontakt mit gleich zwei Therapeuten gesichert.

Spannend fand ich das Auch-Ich welches den Flug übernommen hat. Bisher habe ich dieses noch nie erlebt oder wahrgenommen. Ein totaler Funktionsanteil. Irgendwie wirkte es auf mich wie ferngesteuert und willenlos. Hätte man diesem Ich während des Fluges gesagt es müsse nun rausspringen, ich bin mir sicher, es wäre ohne zu zögern der Aufforderung nachgekommen. Da das aber ja keiner verlangt, war dieses Ich schon sehr zweckmäßig für die Aufgabe. Emotionslos und unaufgeregt. Ich frage mich, welche Aufgaben dieses Ich sonst übernimmt.

Der Urlaubsort war schön und das türkise Wasser traumhaft. Viele im Inneren waren schwer beeindruckt was es für wunderbare Orte auf der Welt gibt…

Es gab Momente der Trauer darüber, wieviel wir in unserem bisherigen Leben an wundervollen Dingen verpasst haben. Wie sehr eingeschränkt wir waren und teils auch noch sind durch unsere Traumafolgeschäden. Daneben gab es auch Momente von Glück und Freude darüber das wir es jetzt geschafft haben uns ein Stück Normalität zu erobern und sei es auch nur eine kurze Pauschalreise. Es ist ein tolles Gefühl sich wie die anderen zu fühlen. Selbst wenn es gestresst sein ist aus Sorge der Transferbus ist unpünktlich oder die Panik wo ist mein Gate. Ich denke wir hatten den gleichen Stress wie alle anderen am Flughafen und keinen Traumastressscheiss. Ganz normales genervt sein vom anstehen und warten.

Für mich sind das Luxusgefühle! Ich kann mich begeistern für diese Normalität und freuen, dass es ganz ohne Flashbacks, Hyperventilieren und sonstigem Psychokram ging.

Und es gab auch Gefühle von unendlicher Dankbarkeit dafür, dass ich heute da bin, wo ich bin. Ganz zu Beginn meiner Psycho-Laufbahn galt ich schon als „der ist nicht zu helfen“ und sollte mit gerade mal Anfang zwanzig in Rente geschickt werden. Zum Glück landete ich bei genau dem Therapeuten, der damals richtig für mich war und so bin ich heute an einem Punkt, wo ich beruflich so weit und gesichert bin, dass ich die finanziellen Möglichkeiten habe und darüber hinaus habe ich genug Sicherheitsgefühl entwickeln können und auch real greifbare Menschen um dieses immer wieder bestätigen zu lassen, so das es machbar ist beängstigendes und Neues zu wagen. Meine Zukunft sah viele Jahre nach Armut und Drehtürpatient aus und ich bin dankbar und glücklich, das es anders gekommen ist und zum ersten Mal hatte ich auch ein echtes Gefühl dafür, warum sich all die Qualen und Arbeit in den Jahrezehnten Psychotherapie gelohnt habe.

Angespannt war ich (als Alltagsperson) aber natürlich trotzdem durchgehend (wenn ich jetzt auch weiß das es unnötig war), da ich nicht wusste wie mein Inneres auf das alles reagieren würde usw. Völlige Panik und im Ausland in der Klapse landen lag ebenso im Bereich des möglichen. Auch-Ichs sind unberechenbar. Alles kann nichts muss.

Ich bin froh das ich es gewagt habe. Vorallem auch deshalb weil im Vorfeld meinem Therapeuten die Gesichtszüge entgleist sind als ich von der Reisebuchung erzählt habe und er sich nicht verkneifen konnte, dass es ein „mit dem Auto erreichbarer Urlaubsort“ sicher für den Anfang auch getan hätte…

Aber nicht umsonst ist mein Unterarm mit „Ich kann und ich werde!“ tätowiert…

Und das Lieblingsschild des Hypochonders darf natürlich nicht fehlen:

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Erstaunlich…

Ob Menschen die alleine ihren Kopf bewohnen sich auch manchmal sagen wie saucool sie sind?

Und wie krass das ist, dass sie all so Erwachsenenzeug machen und nirgens schrillt ein Alarm und niemand kommt angerannt und schreit : „Was machst du den ganz alleine hier? Wo sind denn deine Eltern? Oder jetzt gibt mal die Kreditkarte her, weißt du eigentlich wie leichtsinnig das ist?!

Nichts! Ich laufe so rum und spiele erwachsen und niemand schöpft Verdacht. Wie unglaublich cool und lässig sich das anfühlt kann ich gar nicht in Worte fassen!

Erstaunlich…

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Wechselbad der Gefühle

Mal wieder bin ich von mir selbst überrascht.

Unverhofft habe ich zwei Wochen Urlaub und war etwas ratlos wie ich diese Zeit ohne äußere Struktur (also Arbeit) füllen soll, ohne gleich wieder ins Loch zu fallen.

Wage dachte ich an in den Urlaub fahren. Checkte meine Möglichkeiten im vertrautem Urlaubsort bei unseren Nachbarn in den Niederlanden… und sah mich plötzlich nach Last Minute Reisen in die Sonne suchen.

Das ging drei Tage so. Gestern morgen hatte ich mich auf einen Ort und ein Hotel festgelegt. Allerdings schaute ich mir da noch lächelnd zu und hielt das ganze für eine Wunschvorstellung. Das erste mal Herzklopfen bekam ich, als meine Kreditkartennummer eingetippt wurde und der Button „jetzt verbindlich buchen“ erschien.

Aber er wurde nicht gedrückt und ich atmete auf. Ich sah Bilder vom wunderschönen Strand dieses Ortes, der nur 10m vom Hotel entfernt ist. Las über die Sehenswürdigkeiten, erfuhr das ein deutscher Arzt neben dem Hotel seine Praxis hat… und vom 24 Stunden Arztservice des Hotels. Aha dachte ich, dass ist ja was für Hypochonder wie mich.😂

Ich schaute mir zu wie Handgepäck- und Zollbeatimmungen gelesen wurden, sowie die Abläufe des Checkin am Flughafen und wie ein Shuttleservice funktioniert. Ich mag diese Anteile in mir, die alles Wissen in sich aufsagen und Beruhigung darin finden immerzu wissen zu wollen, wie etwas funktioniert.

Dann fing das hin und her in mir an. Die Sehnsucht nach dem Meer. Der Wunsch zu leben, normale Dinge zu tun auf der einen Seite. Auf der anderen die Angst vor unbekanntem. Davor mit einem Nervenzusammenbruch allein in einem fremden Land zu stehen, vor krank werden im Ausland. Visionen von beraubt werden. Hyperventilieren im Flugzeug. Dissoziativ, verwirrt herumirren und im Ausland in der Klapse landen.

Dann wieder Fotos vom Meer. Von türkisblauen Wasser.

Quelle: https://goo.gl/images/3GFSm2

Ich sah mich in 8 Stunden noch 3 Mal meine Kreditkartennummer eingeben. Zweifeln und wünschen und zweifeln und dann drückte ich das Knöpfchen 😱

Am Sonntag werde ich also 2,5 Stunden im Flugzeug sitzen und anschließend dieses türkisblaue Wasser mit eigenen Augen sehen.

Was ich dabei fühle ist eine Mischung aus Erstaunen, Entsetzen, Vorfreude, Stolz und Todesangst!

Im schlimmsten Fall habe ich ein paar Hundert Euro in den Wind geschossen, steige in kein Flugzeug und das einzige Wasser das ich sehe, ist das in der Regenrinne vor meinem Küchenfenster.

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